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13.12.2007 

Feine Adresse im Wirtschaftsjournalismus: das Bürogebäude des Wall Street Journals in New York City. Foto: apLupe

Feine Adresse im Wirtschaftsjournalismus: das Bürogebäude des Wall Street Journals in New York City. Foto: ap

Murdoch tickt völlig anders. "Ich bin zu allererst ein Zeitungsmann“, schrieb er den Bancrofts kurz vor der Übernahme im August. Dem früheren "WSJ“-Chefredakteur Norman Pearlstine verriet der Pressezar, dass er für das Renommierblatt alles andere fallen lassen würde, um sich ein Jahr lang nur darum zu kümmern. So ist es sicher kein Zufall, dass Murdoch vor kurzem seinen Sohn James mehr Verantwortung in seinem Konzern News Corp. übertragen hat.

Was der Medienfuchs mit seiner freien Zeit beim "WSJ“ anfangen will, ist jedoch noch immer sein Geheimnis. Dass Murdoch sich kümmert, ist dagegen bereits klar. Höchstpersönlich hat er zuletzt mehrere wichtige Reporter empfangen, die Wechselabsichten hegten, um sie zum Bleiben zu bewegen. Auch die Druckerei des "WSJ“ in South Brunswick, New Jersey, hat Murdoch besucht – und die Mitarbeiter mit seinem Detailwissen übers Zeitungmachen verblüfft.

Offiziell jedoch lässt er nichts nach außen dringen. Ein Anruf bei Murdochs Hauptquartier ein paar Meilen nördlich vom "WSJ“ in Midtown von Manhattan führt ins Leere: "Wir geben vor der offiziellen Übernahme am 13. Dezember keinen Kommentar“, sagt die Sprecherin Terri Everett höflich, aber bestimmt.

Die fünf Milliarden Dollar, die Murdoch für Dow Jones zahlen will, sind ein stolzer Preis für das mehr als 100 Jahre alte Familienunternehmen – liegt das Angebot doch zwei Drittel über der letzten Börsenbewertung. Dennoch rang die über 35-köpfige Eigentümerfamilie Bancroft monatelang mit sich, ob sie dem Lockruf folgen sollte. Am Ende setzte sich das australische Raubein vor allem deshalb durch, weil die Bancrofts keine Alternative hatten.

Doch leichten Herzens werden die meisten Bancrofts heute nicht ihre Hand für das "unmoralische“ Angebot heben. Der Zweifel bleibt, ob Murdoch das renommierte "WSJ“ trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht doch für seine wirtschaftlichen und politischen Ziele missbraucht.

Die Chance, darüber ein gewichtiges Wort mitzusprechen, ist jedoch dem Familienzwist zum Opfer gefallen. Weil sich die Bancrofts nicht darauf einigen konnten, wen sie ins Board, das höchste Führungsgremium von News Corp. schicken wollten, suchte sich Murdoch kurzerhand die Opernsängerin Natalie Bancroft aus. Die 27-Jährige verfügt über fast keine Erfahrungen in der Medienbranche. "Das ist eine lustige Familie“, kommentierte Murdoch die blamable Abschiedsvorstellung der Bancrofts.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Kein Ende des Rätselratens

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