Geld für Sharp
Apple zahlt Milliarde für Liefersicherheit

Nächster Schachzug im Patenstreit um Tablet-PCs: Apple steckt eine Milliarde Dollar in ein Werk des japanischen Technologiekonzern Sharp. Das ist motiviert durch das Misstrauen gegenüber einem Lieferanten und Rivalen.
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San FranciscoApple investiert nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters etwa eine Milliarde Dollar in ein Werk des japanischen Technologiekonzerns Sharp zur Produktion von Displays für Tablet-PCs. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund ständig weiter eskalierender Patentstreitigkeiten der Technologiekonzerne Apple und Samsung. Sie sind einerseits auf den Weltmärkten Konkurrenten, andererseits ist Samsung Apples wichtigster Lieferant für elektronische Bauteile wie Speicherchips und einer der größten Display-Hersteller der Welt. Weder Sharp noch Apple waren laut Reuters für Stellungnahmen zu erreichen.

Apple steckt in der Zwickmühle: Nach früheren Berichten der DigiTimes musste der kalifornische Konzern zuletzt wegen Qualitätsmängeln und Lieferverzögerungen beim bevorzugten Partner LG einen Teil der Bildschirme für das iPad2 bei Samsung einkaufen. Das wäre im Prinzip eine praktikable Lösung, wenn sich beide Unternehmen nicht immer tiefer in heftige Patentstreitigkeiten verstricken würden. Zuletzt hatte Apple eine einstweilige Verfügung gegen Samsung erwirkt und den Verkaufsstart des iPad-Konkurrenten Galaxy Tab 10.1 gestoppt. Die Verfügung war wenige Tage später wieder aufgehoben worden, und am 25. August wird in Düsseldorf die erste Anhörung vor Gericht stattfinden. Apple wirft den Koreanern vor, das iPad „sklavisch“ bis hin zur Geräteverpackung kopiert zu haben. Samsung wiederum verklagt Apple in den USA, Europa und Asien auf Patentverletzungen.

Der phänomenale Erfolg der iPads hat selbst Apple völlig überrascht. Im abgelaufenen Quartal wurden mit 9,25 Millionen iPad2 doppelt so viele verkauft wie im Vorjahresquartal. Die Begeisterung der Kunden für diese neue Computerform hinterlässt bereits gravierende Spuren in den Büchern anderer PC-Hersteller. So meldet der Marktforscher Gartner für das zweite Quartal 2011 einen Rückgang der PC-Verkäufe um 18,9 Prozent verglichen zum Vorjahr. Das Teilsegment der portablen Mini-PCs, der Netbooks, brach um 53 Prozent ein, hauptsächlich wegen der Konkurrenz durch Tablets insbesondere von Apple. Je größer die Markterfolge werden, desto schwieriger wird allerdings auch die Versorgungssituation mit Bauteilen. Apple selbst hat, anders etwa als Samsung, LG oder Sony, keinerlei eigene Fabrikationen und keine eigene Bauteilefertigung, sondern schließt langfristige Lieferantenverträge etwa mit Samsung ab.

Sharp hatte im Juni bekanntgegeben, einen Teil des Werks Kameyama von TV-Bildschirme auf kleine und mittlere Bildschirme umzurüsten. Das Geschäft mit TV-Flachbildschirmen leidet unter weltweiten Überkapazitäten und starkem Preisdruck. Mit der Investition würde sich Apple einen garantierten Zugang zu Displays für die kommenden iPad-Generationen sichern. Im Dezember, so berichtete damals die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei, hat Apple bereits über eine Milliarde Dollar in eine Gemeinschaftsfabrik für iPhone-Displays mit Toshiba investiert.


Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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