Gema-Streit
Internetwirtschaft sieht Youtube-Urteil mit gemischten Gefühlen

Das Videoportal Youtube muss einige von der Musikverwertungsgesellschaft Gema genannte Musiktitel aus dem Angebot nehmen. Die deutsche Internetwirtschaft hat mit „gemischten Gefühlen“ darauf reagiert.
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Hamburg/BerlinDer Branchenverband Bitkom hat mit „gemischten Gefühlen“ auf die Gerichtsentscheidung zum Streit der Verwertungsgesellschaft Gema mit der Videoplattform Youtube reagiert. „Wir sehen wir einige Punkte (des Urteils) kritisch, wie zum Beispiel den geforderten Einsatz von Wortfiltern“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder am Freitag. Das Urteil des Landgerichts Hamburg sei in einem wesentlichen Punkt ein gutes Signal für die Internetwirtschaft. „Es macht klar, dass Youtube nicht als Inhalteanbieter, sondern als sogenannter Hostprovider einzustufen ist.“

Das Gericht hatte am Freitag die Löschung von sieben Songs verfügt, an denen die Verwertungsgesellschaft Gema Urheberrechte geltend gemacht hatte. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Rohleder sagte, die von der Gema geforderten Prüfungspflichten seien „schlicht nicht umsetzbar“. „Ebenso gut hätte die Gema fordern können, Online-Plattformen für Musik zu verbieten. Wir müssen aufpassen, dass Deutschland bei Online-Musikangeboten nicht abgehängt wird.“

Das Urteil des Landgerichts Hamburg sorge jedoch für mehr Klarheit, erklärte der Bitkom-Chef. „Ansonsten wäre das Geschäftsmodell entsprechender Online-Plattformen für Deutschland insgesamt in Frage gestellt gewesen.“ Die Frage der Verantwortlichkeit für die Inhalte hänge auch mit finanziellen Aspekten zusammen. Zahlreiche Clips seien für deutsche Internetnutzer gesperrt. „Eine wirtschaftlich vertretbare Einigung erscheint dringend nötig, damit dieser Zustand ein Ende findet“, erklärte Rohleder.

Das Landgericht Hamburg hatte am Freitag in erster Instanz zugunsten der Gema entschieden. Die Kammer verurteilte Youtube, Musikvideos im Internet künftig besser gegen Urheberrechtsverstöße zu schützen.

Bei dem Streit geht es nur vordergründig um die von der Gema verlangte Sperrung von mehreren Titeln. Im Kern wollen die Rechteverwerter erreichen, dass die Videoplattform Urheber dafür bezahlt, wenn sie deren Filme und Musik weiterverbreitet. Die Google-Tochter Youtube argumentierte, dass Youtube lediglich die Plattform für das Hochladen von Musikvideos im Internet zur Verfügung stelle und sie für die Inhalte nicht verantwortlich gemacht werden könne.

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  • Liebe Gema,

    schade, dass Sie nicht 100% erfolgreich mit ihrer Klage waren. Warum? Weil dann nämlich noch weniger Menschen die Videos der sog. "Künstler" in Deutschland sehen dürften und das finanzielle Ende (der Gema und der Musik"vertrags"industrie) weiter in greifbare Nähe gerückt wäre. Wo keine Nachfrage, dort auch kein Umsatz. Warum nicht den Umsatz mit _kostenloser Werbung_ steigern? Werbung für Konzerte, Merchandising, lukrative Werbeverträge usw.

    Verstehen Sie das nicht? Wären Sie heute erfolgreich gewesen , so hätten die Leute endlich wieder mehr Zeit für konstruktive Dinge: sie würden nicht mehr den ganzen Tag auf Youtube "abhängen" um die neuesten Songs zu hören und Videos zu sehen. Sie würden sich andere Hobbies suchen, Freunde treffen, das Geld jmd. anderem in die Tasche spielen.

    Tretet endlich ab! Mit dieser Einstellung sind Sie weit über Ihrem Mindesthalbarkeitsdatum. "Suchfilter" - DDR, China und Nordkorea lassen grüßen. Dort haben Sie vielleicht noch eine Chance. Aber lassen Sie uns in D bitte in Ruhe. Die Zeiten haben sich geändert.
    Besten Dank!

  • Da habe ich schon Kunden für, deutsche Besucher erhalten andere Inhalte. Ist ja nich so, das Deutschland sich zu einer digitalen Insel entwickeln könnte. ironie off.

  • Das Radio zahlt Pauschalen, soweit ich weiß (kann sich schon geändert haben). Wenn ein Song im Radio rauf und runter gespielt wird, wird er mehr gekauft. Diesen Part haben aber inzwischen die Diskotheken übernommen, Netradio ist noch nicht ganz so weit. Die Gebühren dafür übersteigen meist weit die Werbeeinnahmen.
    Wer dann bald dafür sorgt, das ein Song über die "Hörschwelle" kommt, keine Ahnung. Bei Veranstaltungen wirds wohl auch bald teuer.
    http://openpetition.de/petition/online/gegen-die-tarifreform-2013-gema-verliert-augenmass

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