Gemeinschaftliches Musikunternehmen
EU legt Sony-Bertelsmann-Verfahren auf Eis

Stopp and Go für das geplante gemeinschaftliche Musikunternehmen von Sony und Bertelsmann. Auch in diesem Sommer wird die EU voraussichtlich nicht zu einer Entscheidung über die Kooperation kommmen. Die Kommission schiebt die Schuld dafür den Unternehmen zu.

HB BRÜSSEL. Die Europäische Kommission hat am Freitag das Verfahren gegen die Kooperation von Sony und Bertelsmann unterbrochen. Die Firmen hätten die angeforderten Informationen nicht geliefert, erklärte die Kommission in einer Stellungnahme. Plangemäß hätten die Ermittlungen am 2. Juli abgeschlossen werden sollen.

Die EU-Wettbewerbsbehörde hatte Anfang März bekannt gegeben, den umstrittenen Zusammenschluss genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie hat in diesem Zusammenhang auch detaillierte Fragebögen an Kunden und Wettbewerber geschickt, um ein umfassendes Bild des Marktes zu erhalten.

Der Fall ist für die Behörde heikel: Sie hatte die Fusion 2004 schon genehmigt, zwei Jahre später hatte ein Gericht der Europäischen Union (EU) die Entscheidung jedoch aufgehoben und damit einer Klage unabhängiger Musikproduzenten stattgegeben. Es urteilte, die Kommission habe die Genehmigung nicht hinreichend begründet und nicht alle entscheidenden Daten berücksichtigt. Daraufhin nahm die EU die Prüfung erneut auf, in der Hoffnung, den Anforderungen des Gerichts nachzukommen.

In der Vergangenheit haben EU-Vertreter Verfahren bisweilen angehalten, um Zeit zu gewinnen. „Der Fall spielt sich in einem äußerst schwierigen Umfeld ab“, erklärte die Kommission. Der Industriezweig habe signifikante Veränderungen erlebt, etwa die Digitalisierung der Musik und die geänderten Vorlieben der Verbraucher.

Egal wie lange die Ermittlungen unterbrochen werden, dürfte die Pause das Gemeinschaftsunternehmen wenig beeinflussen. Es hat bereits seinen Betrieb als zweitgrößter Musikverleger der Welt aufgenommen.

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