Generalstaatsanwälte nehmen Windows XP unter die Lupe
Neue Vorwürfe gegen Microsofts Praktiken

US-Behördenvertreter haben Bedenken gegen die Verknüpfung des Betriebssystems mit Programmen, die das Abonnement bestimmter Internet-Dienste unterstützen.

ruk PALO ALTO. „Ernsthafte Bedenken“ gegen die jüngsten Pläne von Microsoft, die der Softwarekonzern mit seinem neuen Betriebssystem Windows XP verfolgt, haben der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates Connecticut, Richard Blumenthal, und sein Kollege Tom Miller aus Iowa angemeldet. Windows XP kommt am 25. Oktober auf den Markt.

Nach Ansicht der beiden Politiker, die als führende Anklagevertreter der 19 Bundesstaaten im Kartellverfahren gegen Microsoft gelten, sei das Softwarehaus dabei, „die Bemühungen zu wiederholen, seine monopolistische Stellung zu halten oder weiter auszubauen“, indem erneut Funktionen in das Betriebssystems fest eingebaut werden, mit denen Wettbewerber vom Markt verdrängt werden sollen.

Die beiden Ankläger gehen damit auf Vorwürfe ein, die von Microsoft- Gegnern in Zusammenhang mit dem Betriebssystem Windows XP erhoben werden. Von den Vorwürfen sind eine Reihe von neuen Funktionen wie die so genannten „smart tags“ (Internet- Funktionen), das Instant Messaging System (sofortige Übermittlung von Mitteilungen an Benutzer, die ebenfalls gerade online sind), aber auch der Microsoft Mediaplayer (Datenübertragungssoftware zur Medienpräsentation) betroffen. Darüber hinaus wird mit der künftig notwendigen Anmeldeprozedur in Verbindung mit dem Passport-Service des Softwaregiganten ein großes Gefahrenpotenzial gesehen.

In erster Linie befürchten die Kritiker, dass es Microsoft mit Hilfe der neuen Funktionen gelingen werde, eine noch größere Kontrolle über das Internet zu erlangen. Microsoft dagegen argumentiert mit Service-Vorteilen für seine Kunden („Vereinfachung im Lizenzmanagement und Upgrades“) und bei zahlreichen sich alltäglich wiederholenden Arbeitsschritten.

„Microsoft ist heute ein mächtigerer Monopolist als je zuvor“, sagt Mike Pettit, President von ProComp, einer Organisation, hinter der die Microsoft-Gegner Oracle, Sun Microsystems und America Online stehen. Mit der Association for Competitive Technology (Gesellschaft für Technikwettbewerb) und der Computing Technology Industrie Association (Industrieverband für Computertechnik) haben sich in den vergangenen Wochen allerdings auch zwei Lobbyorganisationen gemeldet, nach deren Meinung Microsoft die Wettbewerbsregeln nicht verletzte.

Mit diesen öffentlich geäußerten Ansichten tritt die Auseinandersetzung um Microsoft kurz vor der Verkündung des Berufungsurteils in eine neue Phase. Das Softwarehaus aus Redmond setzt nach dem Regierungswechsel in Washington auf ein Justizministerium, das mehr Verständnis für seine Geschäftspraktiken zeigt. Die Verkündung des Berufungsurteils wird in den nächsten Tagen erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass das von Richter Jackson in erster Instanz verfügte Urteil, das eine Zerschlagung von Microsoft in zwei Unternehmen vorsieht, aufgehoben wird.

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