Generation Gründer
Legalize IT

Anders als in Deutschland gilt die Drogenpolitik in den USA eher als liberal. Was der Haschisch-Konsum und die Start-up-Szene miteinander gemein haben und warum Gründer am Rand der Legalität arbeiten.
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BerlinAchtung, diese Limo hat es in sich: Hanf, das Zeug, das man auch mit Tabak mischen, in Papier einwickeln und rauchen kann. Das Start-up Hemptastic aus München bewirbt seinen Wellnessdrink mit den wohltuenden Eigenschaften der Kulturpflanze: „Der Gesundheits-Boost.“ Nichts mit Rausch. Die Limo enthält kein THC, den psychoaktiven Wirkstoff in der Hanfpflanze.

Bislang ist in Deutschland der Verkauf von Marihuana streng verboten. Erst in drei Monaten dürfen Apotheken das Rauschmittel unter strikten Auflagen an Kranke ausgeben. Wie bei Start-ups so üblich, sind sie in den USA schon viel weiter – auch beim Kiffen.

In den USA hat schon die Hälfte der Bundesstaaten medizinisches Marihuana legalisiert, in sieben Staaten ist auch der Feierabendrausch erlaubt. Nach Angaben eines auf Hanf spezialisierten Marktforschungsinstitutes betrug der Umsatz mit legalen Cannabis-Produkten im Jahr 2016 schon 6,9 Milliarden Dollar, bis 2021 sollen es an die 22 Milliarden Dollar werden.

Angesichts dieses großen Potenzials mischen auch jede Menge Start-ups auf diesem Markt mit. Ende vergangenen Jahres ist eines von ihnen an die Börse gegangen: Innovative Industrial Properties investiert in den Anbau von Hanf-Pflanzen. Die Firma Firefly produziert einen Vaporizer, eine Pfeife, mit der man das Zeug erhitzen und inhalieren kann, ohne dass dabei zusätzliche Schadstoffe verbrennen. Gründer Mark Williams war früher Produktdesigner bei Apple. Nach einem anstrengenden Meeting, sagt er, komme er mit einem Joint gut runter. Er habe bloß keinen Bock, zu rauchen.

„Cannapreneure“ nennt man in Kalifornien die Sorte Kiffer, die nicht auf dem Sofa vergammelt, sondern gründet. In Deutschland gucken wir uns das lieber erst einmal aus der Ferne an, so wie wir das immer tun, wenn wir etwas nicht kennen, es also potenziell für gefährlich halten. Autos selber fahren lassen? Sensible Daten weitergeben? Wohnungen an Touristen vermieten? Erlauben wir nicht. So lange nicht, bis die Start-ups aus weniger vorsichtigen Staaten einen deutlichen Vorsprung haben.

Viele Start-ups operieren zu Beginn ihrer Karriere am Rande des Gesetzes. Marktplätze zum Beispiel, für Pizzalieferdienste oder Putzfrauen: Sie nehmen das Geld von ihren Kunden entgegen und zahlen es anschließend an den Dienstleister aus. Anfangs war die Bafin der Ansicht, solche Firmen bräuchten eine Banklizenz. Dabei hat so manche Putzkraft, die sich heute übers Internet vermitteln lässt, früher schwarz gearbeitet.

Verfechter einer liberalen Drogenpolitik argumentieren ähnlich wie ihre gründerfreundlichen Kollegen aus dem Wirtschaftsressort: Wenn man eine Entwicklung schon nicht aufhalten kann, ist es dann nicht klüger, sie staatlich zu begleiten, anstatt sie zu verteufeln? „Legalize IT“ könnte ein gemeinsamer Slogan von Kiffern und Gründern lauten.

Keine Angst, so weit wird es hier nicht kommen. Stellen Sie sich bloß mal vor, da kurvt so ein selbstfahrendes Auto durch Ihre Straße und der Insasse ist komplett bekifft, während Google in aller Seelenruhe seine Kreditkartendaten ausliest. Darauf eine Hanflimonade.

Handelsblatt-Redakteurin Miriam Schröder berichtet über deutsche Start-ups aus Berlin und anderswo.

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