Geplatzte Übernahme
Marktforscher VNU lässt von IMS ab

Die niederländische Marktforschungs- und Medienfirma VNU gibt die geplante Übernahme von IMS Health auf. Das Scheitern des Kaufs des US-Anbieters von Pharmadaten führt auch zu personellen Konsequenzen.

HB AMSTERDAM. Wie VNU am Donnerstag mitteilte, sei die 7 Mrd. Dollar teure Fusion nicht umsetzbar. Aktionäre hatten gegen die Übernahme revoltiert und gedroht, sie mit ihrem Votum zu blockieren. Analysten rechneten bereits mit dem Scheitern der Fusion, trotzdem legte die VNU-Aktie nach der offiziellen Bekanntgabe zwischenzeitlich um mehr als 5 Prozent auf ein neues Jahreshoch zu.

VNU-Chef Rob van den Bergh, ein glühender Verfechter des Geschäfts, zog die Konsequenzen aus der gescheiterten Übernahme und reichte seinen Rücktritt ein. Er werde jedoch noch bleiben, bis ein neuer CEO gefunden sei, sagte er.

Mit der Übernahme wollte das einstige Zeitungs- und Magazinverlagshaus VNU seinen Wandel zu einem in den USA ansässigen Informationsanbieter für die Geschäftswelt fortsetzen und sich Zugang zu einem weiteren Sektor verschaffen. Unternehmenschef Van den Bergh zeigte sich am Donnerstag überzeugt, dass die Übernahme die Firma gestärkt und den Shareholder Value auf lange Sicht gesteigert hätte. „Nachdem wir die Ansichten unserer Aktionäre gehört haben, ist jedoch klar geworden, dass wir die Fusion nicht vorantreiben können“, sagte er. VNU werde von der Übernahme daher Abstand nehmen und zusätzlich zur regulären Dividende rund 1 Milliarde Euro an die Aktionäre ausschütten.

Anteilseigner, die eigenen Angaben zufolge rund 48 Prozent der VNU-Aktien halten, hatten angekündigt, die Übernahme unter keinen Umständen zu unterstützen. Diese sei zu kostspielig und der Verwässerungseffekt für die Aktionäre zu groß. Stattdessen hatten sie den Verkauf eines Unternehmensteiles und eine Ausschüttung an die Aktionäre gefordert.

Wie VNU nun weiter mitteilte, sollen IMS durch die fehlgeschlagene Übernahme entstandene Kosten in Höhe von rund 15 Mill. Dollar ersetzt werden. Sollte VNU in den kommenden zwölf Monaten übernommen werden, würde IMS eine zusätzliche Zahlung von 45 Mill. Dollar erhalten. IMS hingegen habe einer Zahlung von 15 Mill. Dollar an VNU zugestimmt, sollte das US-Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten übernommen werden. Analysten hatten für den Fall eines Scheiterns prognostiziert, dass VNU auseinander brechen und selbst Übernahmeziel werden könnte.

Im Juli hatte Van den Bergh erklärt, bis zum dritten Jahr des Zusammenschlusses könnten mindestens 85 Mill. Euro Kosten gespart und 135 Mill. Euro an neuen Umsätzen erreicht werden. Die Niederländer hatten angekündigt, für jede IMS-Aktie 11,25 Dollar in bar sowie zusätzlich 0,60415 VNU-Aktien zu zahlen. Zu diesem Zeitpunkt hätte dies ungefähr einem Aufschlag von 16 Prozent auf den Durchschnittskurs der IMS-Anteilsscheine entsprochen.

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