Gericht in New York legt strafmaß fest
Ex-Worldcom-Chef Ebbers muss 25 Jahre in Haft

Der ehemalige Chef des einst zweitgrößten amerikanischen Telekomkonzerns WorldCom, Bernard Ebbers (63), ist am Mittwoch in New York zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Ebbers war im März wegen Betrugs und Bilanzfälschung schuldig gesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte 85 Jahre gefordert.

HB NEW YORK. Ein Gericht in New York verkündete am Dienstag das Strafmaß für den 63-Jährigen. Damit muss er den größten Teil seines restlichen Lebens im Gefängnis verbringen. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert. Ebbers war im März von dem Bundesgericht in neun Anklagepunkten, unter anderem der Verschwörung, des Betrugs und des Einreichens falscher Dokumente bei den Aufsichtsbehörden für schuldig befunden worden. In den Bilanzen von WorldCom waren Fehlbuchungen über elf Milliarden Dollar aufgedeckt worden.

Durch den Zusammenbruch im Juli 2002 hatten viele Anleger ihr Geld verloren. Nach der Umstrukturierung arbeitet das Unternehmen heute unter dem Namen MCI.

Richterin Barbara Jones wies die Argumentation der Verteidigung zurück. Diese hatte die von der US-Regierung angegebenen WorldCom-Verluste als zu hoch bezeichnet. Zudem sei Ebbers nicht der Kopf hinter den Fehltritten des Konzern-Managements. Dem entgegnete die Richterin: „Ebbers ist eindeutig der Anführer der kriminellen Aktivitäten in diesem Fall“.

Der ehemalige Türsteher, Basketball-Trainer und Milchmann Ebbers äußerte sich nicht und nahm das Urteil ohne sichtbare Regung auf. Nach der Verkündung des Strafmaßes stand er auf und umarmte seine Frau. Dabei hatten beide Tränen in den Augen.

Das Gericht ordnete den Haftantritt von Ebbers für am 12. Oktober im Gefängnis in Yazoo City im Bundesstaat Mississippi an. Seine Verteidiger hatten den Haftaufschub beantragt, um die Berufung gegen das Urteil vorzubereiten. Ein komplett neues Verfahren hatte die Richterin Anfang der Woche abgelehnt. Auf die Vergehen von Ebbers steht eigentlich eine Haft von 30 Jahren. Die Reduzierung der Strafe auf 25 von 30 Jahren begründete Jones unter anderem mit seinem sozialen Engagement.

Ebenfalls am Mittwoch einigte sich Ebbers mit der US-Börsenaufsicht SEC über die Beilegung von Klagen im Zusammenhang betrügerischen Änderungen und Zusätzen in den Büchern des Konzerns im Volumen von mehreren hundert Millionen Dollar.

Ebbers hatte WorldCom von einem kleinen Unternehmen im Bundesstaat Mississippi zum zweitgrößten Anbieter von Telefon- Fernverbindungen in den USA gemacht. Er war eine von sechs Personen, die im Zusammenhang mit dem Fälschungsskandal angeklagt waren. Fünf von ihnen hatten sich schuldig bekannt, darunter auch der ehemalige Finanzchef Scott Sullivan, der Ebbers schwer belastete.

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