Gerichtsverhandlung gegen Internetprojekt
Buchverlag stellt sich gegen Google

Das Internetprojekt Google Books wird erstmals frontal von einem deutschen Verlag angegriffen. Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) hat eine einstweilige Verfügung gegen die weltgrößte Suchmaschine beantragt, über die das Landgericht Hamburg am Mittwoch verhandeln wird.

HB FRANKFURT. Der Darmstädter Fachbuchverlag möchte verhindern, dass für Googles Online-Buchsuche Werke aus Deutschland eingescannt werden. Die weltweit erfolgreichste Internet-Suchmaschine hat angekündigt, rund 15 Millionen Bände aus amerikanischen und britischen Bibliotheken digitalisieren zu wollen.

Dabei geht es den Verlagen nicht darum, das Projekt an sich zu verhindern, wie es beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels heißt, der die WBG unterstützt. „Google Books ist eigentlich toll“, sagt Börsenverein-Justiziar Christian Strang. Nicht toll sei lediglich das Bibliotheksprojekt, weil Google auch urheberrechtlich geschützte Bücher einscanne und dabei die Verlage nicht um Zustimmung frage.

Wenn Google mit einem Verlag ein Partnerschaftsprogramm auf Vertragsbasis eingehe und dessen Bücher einscanne, begrüße man das. Beim Bibliotheksprogramm missfällt dem Börsenverein aber die so genannte opt-out-Praxis: Wer nicht teilnehmen will, muss sich bei Google melden und seine Titel herausnehmen lassen. Zudem bietet Google das opt-out nur auf freiwilliger Basis an, ohne sich dazu bindend zu verpflichten.

Google argumentiert, dass diese Praxis die einzig mögliche sei: Sonst wäre das Projekt viel zu zeitaufwändig, sagt Jens Redmer, der für Google Books in Europa verantwortlich ist. Redmer findet vielmehr, dass man den Verlagen sogar einen großen Dienst erweist. Denn 75 Prozent der Bücher in den Bibliotheken seien zwar urheberrechtlich geschützt, aber nicht mehr lieferbar. „Das sind tote Bücher“ betont Redmer. Es sei im Interesse der Verlage, wenn der Zugang zu diesem Kulturgut erleichtert werde. Denn mit Hilfe der Büchersuche könne die Nachfrage nach solchen Titeln wieder angeregt werden: „Es ist gut für Autoren und Verlage, wenn sie gefunden werden.“

Diese Ansicht teilt man beim Börsenverein nicht. Wenn ein Autor die Verbreitung seines Werkes im Internet nicht wünscht, weil er zum Beispiel eine verbesserte Neuauflage verfasst hat, dann soll sein Wunsch von jedermann respektiert werden“, argumentiert Justiziar Sprang.

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