Geringe Verkaufszahlen
Murdochs iPad-Blatt ist zu umsatzschwach

News Corp. will auch andere Tablets erschließen, um die Reichweite von „The Daily“ zu steigern. Der Absatz über den iPad Markt läuft viel schleppender an, als geplant. Statt 500.000 Nutzern sind es nur 120.000.
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New YorkDie ausschließlich auf dem iPad erscheinende „The Daily“ läuft offenbar schlechter als erwartet. Die Zeitung, die der Konzern von Medienmogul Rupert Murdoch extra für Apples Tablet-PC entwickeln ließ, habe im Durchschnitt etwa 120.000 Leser pro Woche, sagte John Nitti von der Mediaagentur Zenith Optimedia, die zur Publicis-Gruppe gehört.

Murdochs-Konzern News Corp. will nun die Reichweite seiner iPad-Zeitung ausbauen. „The Daily“ soll in drei Wochen auch auf anderen Tablet-PCs abrufbar sein, die mit Googles Betriebssystem Android laufen, heißt es aus Unternehmenskreisen. Im September kam bereits eine Version für das soziale Netzwerk Facebook auf den Markt, bei der es eine kleine Auswahl an Artikeln auch kostenlos zu lesen gibt.

Murdoch rechnete bei der Präsentation der iPad-Zeitung im Februar vor, er brauche etwa 500.000 Abonnenten, um „The Daily“ profitabler zu machen. Er hatte die Zeitung damals persönlich in New York vorgestellt. „Neue Zeiten brauchen neuen Journalismus“, hatte der 80-jährige Medienmanager damals argumentiert. Es gebe viele gebildete Menschen, die keine Papierzeitung mehr lesen würden. „Aber sie konsumieren Medien.“ Zu News Corp. gehört unter anderem auch das „Wall Street Journal“.

Die kostenpflichtige Onlinezeitung galt Anfang des Jahres als ein zentraler Baustein in seiner Strategie, die digitale Zukunft zu meistern. Mehrmals täglich wird die Zeitung aktualisiert und bietet den Lesern eine Mischung aus Artikeln, Videos, Fotos, Kreuzworträtseln und Sudoku.

Doch es ist offenbar schwieriger als gedacht, die Zielgruppe zu erreichen. Zum Vergleich: Eine auf Papier gedruckte Zeitung mit einer Auflage von 120.000 Stück ist in den USA „The Blade“, eine Regionalzeitung aus Toledo im US-Bundesstaat Ohio, wie Zahlen der Auflagenkontrollbehörde zeigen.

Medienexperten erwarten, dass es etablierte Zeitungen wie die „New York Times“ leichter haben werden, ihre Inhalte auf Tablet-PCs zu vermarkten, als neue Zeitungen, deren Marke zu schwach ist.

30 Millionen Dollar investiert

Ein Abonnement von „The Daily“ kostet 99 Cent pro Woche oder knapp 40 Dollar im Jahr – nach einer kostenlosen zweiwöchigen Probephase. Wie viele der rund 120.000 Leser für die iPad-Zeitung tatsächlich zahlen, ist unklar. Die Zahl bezieht sich nur auf die sogenannten Unique Visitors pro Woche, die sowohl die zahlenden als auch die nichtzahlenden Leser beinhalten. Werbeexperte Nitti zufolge gibt News Corp. die Zahlen für die zahlenden Abonnenten nicht heraus.

Murdoch hat rund 30 Millionen Dollar in das Projekt investiert und 120 Journalisten eingestellt. Der Betrieb der Zeitung kostet 500.000 Dollar pro Woche. Eine Sprecherin von „The Daily“ wollte sich nicht äußern. News Corp. hat lediglich mitgeteilt, dass die Zeitung bis Ende Juni mehr als eine Million Mal heruntergeladen wurde.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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