Gerüchte treiben Aktie
Vivendi will von Übernahme und Zerschlagung nichts wissen

Meldungen über ein mögliches Übernahmeangebot durch den Fonds Sebastian Holdings haben am Mittwoch der Aktie des französischen Telekom- und Medienkonzerns Vivendi zu einem Höhenflug verholfen. Das Unternehmen selbst dementiert. Doch die Gerüchte verstummen nicht. Es ist sogar von Zerschlagung die Rede.

PARIS. „Wir haben auf Bitte Vivendis ein Übernahmeangebot zum Preis von 33,50 Euro je Aktie gemacht“, hieß es aus Kreisen des Fonds Sebastian Holdings, der mit rund 4 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär von Vivendi ist. Die Offerte würde Vivendi mit 38,6 Mrd. Euro bewerten. Der Konzern bestreitet indes, ein Übernahme-Angebot bekommen zu haben. „Es gibt keine Offerte. Sebastian Holdings hat lediglich ein Projekt zur Zerschlagung vorgelegt, das einstimmig vom Aufsichtsrat und Management abgelehnt worden ist“, sagte ein Konzernsprecher.

Aus dem Umfeld von Sebastion Holdings heißt es, der Fonds habe „breite Bankenunterstützung“, um solch eine Offerte zu bezahlen. Auf die Frage, ob der Fonds nach dem „nein“ des Vivendi-Managements nun öffentliches Angebot vorlegen will, hieß es: „Sebastian Holdings wird in nächster Zeit seine Absichten offen legen.“ Analysten zweifeln indes daran, dass Sebastian Holdings tatsächlich eine Offerte für Vivendi finanzieren kann.

Sebastian Holdings ist das Fondsvehikel des Investors Alexander Vik, eines Geschäftsmanns mit norwegischem Pass, der in Monaco lebt. Sein Fonds ist auf den britischen Antillen beheimatet. Gemeinsam mit dem iranischen Geschäftsmann Amir Jahanchahi hat Vik in rund einem Monat rund 4 Prozent an Vivendi gekauft. Das Duo sorgte bereits vor einem Jahr für Schlagzeilen, als sie als zweitgrößte Einzelaktionäre beim französischen Werberiesen Havas eingestiegen sind. Damals halfen sie dem Großinvestor Vincent Bolloré, die Kontrolle bei Havas zu übernehmen. Aus dem Umfeld Bollorès verlautete, dieser habe nun mit dem Einstieg Viks bei Vivendi nichts zu tun.

Wie es aus Vivendi-Kreisen heißt, hat sich das Konzern-Management mit seinen neuen Großaktionären Ende März getroffen, um mehr über dessen Absichten zu erfahren. Anschließend habe Vik seine Vorstellungen zu Papier gebracht. Dieser schlägt die Zerschlagung von Vivendi vor: Der Konzern solle das Mediengeschäft verkaufen und sich auf die Telekom-Aktivitäten fokussieren. Auf diese Weise könne die chronische Unterbewertung von Vivendi beseitigt werden.

Das Vivendi-Management will von diesem Plan nichts wissen. Der Konzern verweist darauf, dass Vivendi nicht länger vorteilhafte Steuerregeln anwenden dürfte, sollte der Konzern zerlegt werden. Vivendi darf derzeit seine Gewinne und Verluste der weltweiten Filialen miteinander verrechnen. Allein dieser Steuervorteil habe einen Wert von rund 500 Mill. Euro pro Jahr. „Das Gerede um eine Übernahme von Vivendi wird bald vergessen sein“, glaubt dann auch ein Analyst eines Pariser Brokers.

Im Zuge der voranschreitenden Konvergenz sei Vivendi besser als die Konkurrenten aufgestellt, wird vom Unternehmen argumentiert. So sei dank der Hits der Musiksparte Universal das Online-Musikportal der Telekommunikationstochter SFR bereits nahe an Apples iTunes herangerückt.

Der Streit um die Strategie von Vivendi ist so alt wie das Unternehmen selbst. Auch Analysten haben zum Teil Zweifel, ob es Sinn macht, Telekom- und Medien-Aktivitäten in einem Konzern zu bündeln. Um diese Kritik zu entkräften verweist das Management auf seine guten Ergebnisse, die im ersten Quartal die Analysten-Erwartungen übertrafen. Der Überschuss stieg um 41 Prozent auf 707 Mill. Euro. Das Unternehmen hob seine Prognose an. In diesem Jahr rechnet Vivendi mit einem Anstieg des Nettogewinns um 16 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro; die alte Prognose rechnete mit einem Gewinnanstieg von 11 bis 13 Prozent.

Wohl um weitere Zweifel an der Konvergenzstrategie zu zerstreuen, gab Vivendi einen Ausblick auf die Gewinne bis zum Jahr 2011. In fünf Jahren soll der Gewinn auf 3,5 bis 4 Mrd. Euro angewachsen sein, was ein jährliches Gewinnplus von 8 bis 11 Prozent voraussetzt.

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