Geschäftszahlen schockieren Börse
Infineon drohen weitere Verluste durch Qimonda

Der Chipkonzern Infineon ist wegen der desaströsen Lage bei der Speichertochter Qimonda und Schwächen im Kerngeschäft noch tiefer in die Verlustzone gestürzt. Daraufhin fiel die Aktie zeitweise um mehr als 17 Prozent. So tief stand der Kurs zuletzt im Jahr 2003. Und wegen Qimonda könnte es weiteren Ärger geben.

HB MÜNCHEN. Dem Halbleiterkonzern Infineon drohen massive Verluste durch Abschreibungen auf seine Anteile an der Speicherchiptochter Qimonda. "Es besteht ein grundsätzliches Risiko", räumte Finanzchef Peter Fischl am Donnerstag in einer Telefonkonferenz ein. Infineon hat die Qimonda -Papiere mit je rund zwölf Dollar in den Büchern. An der New Yorker Börse waren die Aktien allerdings zuletzt nur noch 5,17 Dollar wert.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres machte Infineon einen Verlust von 396 Mill. Euro nach einem Minus von 280 Mill. Euro im Quartal zuvor. Im Kerngeschäft litt der Konzern auch unter einer überraschend schwachen Nachfrage nach Mobilfunk-Plattformen. Infineon -Chef Wolfgang Ziebart verwies am Donnerstag in München auf operative Fortschritte in einigen Bereichen. Die Börse reagierte dennoch schockiert auf die Zahlen und einen vorsichtigen Ausblick: Die Infineon -Aktie stürzte zeitweise um mehr als 17 Prozent auf weit unter sechs Euro.

Der Konzernverlust ist in erster Linie auf die Probleme bei Qimonda zurückzuführen. Wegen des drastischen Preisverfalls bei Speicherchips verbuchte die Tochter, von der sich Infineon trennen will, ein Minus von 598 Mill. Euro. Ohne Berücksichtigung von Qimonda erzielte Infineon im Kerngeschäft mit Logikchips im ersten Quartal 2007/08 (30. September) einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 65 Mill. Euro nach einem Minus von 25 Mill. Euro im Vorquartal. Der Umsatz sank ohne Qimonda im Quartalsvergleich um drei Prozent auf knapp 1,1 Mrd. Euro.

Einen potenziellen Käufer für Qimonda hat der Konzern offensichtlich noch nicht gefunden. Gerüchte, der Konkurrenz Micron könnte sich der gebeutelten Tochter annehmen, bezeichnete Infineon -Finanzchef Fischl als "Nonsens". Infineon selbst sehe er nicht als Übernahmeziel.

Vorstandschef Ziebart sprach von "wesentlichen Verbesserungen" im Kerngeschäft mit Logikchips. So konnte das Segment Kommunikationslösungen den Umsatz spürbar steigern und den Ebit-Verlust weiter reduzieren. Allerdings gingen die Erlöse im Geschäft mit Auto- und Industriekunden, dem zweiten Standbein des Konzerns, im Vergleich zum Vorquartal zurück. Hier litt vor allem das Geschäft mit Automobilelektronik. "Die Gründe dafür waren saisonbedingte Effekte, Währungseffekte, die schwache Nachfrage von US-amerikanischen Autoherstellern und jährliche Preissenkungen für Großkunden", hieß es.

Auch der Ausblick ist verhalten. So erwartet Infineon im Segment Auto/Industrie im Gesamtjahr weiterhin einen leichten Umsatz- und Ebit-Rückgang. Bei den Kommunikationslösungen rechnet Infineon zwar - auch durch eine Übernahme - mit einem Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent. Dennoch wird ein Verlust vor Steuern und Zinsen erwartet. Im Gesamtkonzern ohne das Dram-Geschäft hofft Infineon ohne Berücksichtigung von Qimonda auf ein positives operatives Ergebnis.

Für das kommende Geschäftsjahr äußerte sich Infineon etwas skeptischer als bisher. Ziel sei es weiterhin, eine Umsatzrendite vor Steuern und Zinsen von zehn Prozent zu erreichen, bekräftigte Ziebart zwar. Allerdings wies er auch darauf hin, dass "die Unwägbarkeiten der globalen Wirtschaft, die ungünstige Entwicklung des Wechselkurses und unser aktualisierter Ausblick das Erreichen dieses Ziels erschweren".

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