Gescheiterte Verkaufsverhandlungen
Sanyo behält Halbleitersparte

Der notleidende japanische Elektrokonzern Sanyo verzichtet nach zwei Jahren der Verhandlungen und Gerüchten nun doch auf den Verkauf seiner Halbleitersparte. Anscheinend kann der potentielle Käufer aufgrund von Subprime-Unsicherheiten auf dem US-Markt das notwendige Geld nicht mehr aufbringen.

TOKIO. „Wir sind zu der Entscheidung gekommen, die Anteile an Sanyo Semiconductor nicht zu verkaufen oder zu übertragen, sondern die Gesellschaft als Schlüsselgeschäft in der Gruppe zu behalten", teilte das Unternehmen gestern in Tokio mit. Sanyo verweist für Details auf die Vorstellung seines Gesundungsplanes im kommenden Monat.

Ein Abschluss stand für den Verkauf der Halbleitersparte jedoch anscheinend unmittelbar bevor. Der japanische Finanzinvestor Advantage Partners, hatte nach einer verdeckten Auktion im September den Zuschlag für die Halbleitersparte erhalten. Aus der Branche heißt es nun, wegen Unsicherheiten am US-Kreditmarkt könne das Beteiligungsunternehmen den Kaufpreis nicht mehr aufbringen. Advantage Partners wollte die Transaktion durch Finanzierungsformen möglich machen, die derzeit schwer zu platzieren seien. Sanyo hatte Indiskretionen von Mitbietern zufolge einen Preis von mindestens 100 Mrd. Yen gefordert.

In Vorbereitung auf den Verkauf hat der Mutterkonzern seine Halbleitersparte im Sommer 2006 in die eigenständige Sanyo Semiconductor ausgelagert und im Zuge dieses Umbaus 4 200 Mitarbeiter entlassen. Ein schweres Erdbeben in der Präfektur Niigata hatte vor drei Jahren die wichtigste Chipfabrik des Konzerns zerstört. Die daraus folgenden Kosten haben - zusammen mit einigem Missmanagement - den ganzen Konzern in die roten Zahlen gezogen. Im Jahr 2006 kauften sich die Großbank Sumitomo Mitsui, das Anlagehaus Daiwa und die US-Investmentbank Goldman Sachs mit 300 Mrd. Yen als Retter ein, nachdem das Unternehmen den zweiten Milliardenverlust vermelden musste. Die Investoren tauschten fünf von neun Vorstandsmitgliedern gegen eigene Leute aus. Im März und April 2007 traten sowohl die Vorstandsvorsitzende als auch der Präsident zurück.

Analysten erwarten von der neuen Führung unter Anleitung der Anteilseigner nun einen Kurs, der klar auf künftigen Gewinn ausgerichtet ist. Dazu gehört nach gängiger Logik die Beschränkung auf erfolgreiche Kern-sparten, hier vor allem aufladbare Batterien, Solarzellen und einige Haushaltsprodukte. Diese Strategie scheint der seit März amtierende Präsident Seiichiro Sano nun durch das Festhalten an den Chips aufzugeben, bevor er überhaupt sein Gesamtkonzept vorstellt. Doch andererseits hat er intensiv nach einem Käufer für die defizitäre Handysparte gesucht und möglicherweise in dem High-Tech-Spezialisten Kyocera auch gefunden. Und die Halbleiterherstellung ist nach der Radikalkur während der Käufersuche so gut in Schuss, dass sie zuletzt Geld abgeworfen hat. Im Quartal von April bis Juni büßte sie allerdings im Vergleich zum Vorjahr wieder 14 Prozent Umsatz ein - das Geschäft bleibt zyklisch und damit bei einem Umsatzanteil von acht Prozent für den Konzern gefährlich. Sanyo macht einem Jahresumsatz von 13 Mrd. Euro.

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