Verkauft die Deutsche Post ihr US-Geschäft? Und wenn, dann ganz oder nur in Teilen? Antworten auf diese brennenden Fragen, bei denen es um die Zukunft des Milliarden-Verlustbringers jenseits des Atlantiks geht, entscheiden über das Wohl und Wehe des Dax-Konzerns - zumindest aber über dessen Aktienkurs.
DÜSSELDORF. Vor allem dann, wenn sie vom Finanzchef persönlich kommen. Vor Analysten machte Post-Kämmerer John Allan am Mittwoch die Sache scheinbar klar: Das US-Express-Geschäft besitze eine "key management priority", erklärte der Schotte. Man werde in jedem Fall eine starke Präsenz im US-Markt behalten, da dieser von strategischer Bedeutung sei.
Investmenthäuser wie die BHF -Bank registrierten anschließend enttäuscht, dass es nun wohl nicht mehr zu einem kurzfristigen Ausstieg aus dem US-Express-Geschäft kommen werde. Die Aktie sackte um 3,5 Prozent nach unten.
Und auch im Interview mit dem Handelsblatt am Tag darauf bestätigte Allan: Das Wichtigste bei der Sanierung der angeschlagenen Sparte sei, "dass wir einen signifikanten Marktanteil in Amerika erhalten wollen". Verkäufe einzelner Geschäftsbereiche in den USA seien daher unwahrscheinlicher, als manche annehmen würden.
Jetzt aber muss sich der 59-Jährige fragen lassen, ob er die Finanzwelt mit solchen Aussagen an der Nase herumgeführt hat. Schon einen Tag nach Allans öffentlichen Interviews melden Finanzberichterstatter exakt das Gegenteil. Die "Financial Times Deutschland" etwa berichtet, Postchef Klaus Zumwinkel plane, das hochdefizitäre Paket- und Expressgeschäft in den USA an den heimischen Konkurrenten Fedex
abgeben zu wollen. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt Ähnliches.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Glaubwürdigkeit wird strapaziert.
Zwar erfuhr das Handelsblatt in Aufsichtsratskreisen, dass es sich bei den Verkaufsplänen bislang nur um "Planspiele" handelt, die Glaubwürdigkeit Allans strapaziert dies dennoch. Denn sollte sich der Dax-Konzern am Ende doch von seinem US-Expressgeschäft trennen, verlöre die Deutsche Post
gut die Hälfte des gesamten Amerika-Umsatzes. Von einer "starken Präsenz auf dem US-Markt", wie von Allan als angebliches Ziel verkündet, könnte dann kaum noch die Rede sein. Die Bonner Zentrale dementierte nicht einmal, dass es Gespräche mit Fedex
gibt. Dazu könne man nichts sagen, hieß es. Die Aktie schoss daraufhin am Freitag zeitweise um fünf Prozent nach oben.
Allans Achterbahnfahrt mit Informationen dürfte das Vertrauen der Finanzmärkte nicht gerade stärken, zumal der seit September amtierende Finanzchef schon einmal - im November 2007 - die Prognose für die angeschlagene US-Sparte nach unten korrigierte.
Tatsächlich sieht alles nach einer Kooperation mit dem amerikanischen Rivalen Fedex
aus, der zusammen mit UPS
dem Postableger DHL in den USA seit Jahren das Leben schwer macht. Kommt es zu einer Vereinbarung, könnte DHL dort das eigene teure Standortnetz dicht machen und Annahmestellen des Wettbewerbers nutzen. Fraglich wäre allein, ob die Kartellbehörden dem dann zustimmen.

