Gespräch mit Dietmar Hopp
„Politik würgt unseren Vorsprung ab“

Der SAP-Gründer und Großinvestor Dietmar Hopp hat sich 2005 aus dem Unternehmen zurückgezogen. Das Handelsblatt sprach mit dem Firmengründer über den Standort Deutschland, die kurzfristige Orientierung der Unternehmen, die absurde Neidkultur und die Branchen der Zukunft.

Handelsblatt: Sie haben vor mehr als 30 Jahren SAP gegründet. Hat sich das Umfeld für junge Firmen in Deutschland seither grundlegend geändert?

Hopp: In den siebziger Jahren sah die Welt zwar nicht grundlegend anders aus. Doch neue Industrieunternehmen hat es damals kaum gegeben. Mit der Gründung eines Softwareunternehmens wurden wir eher belächelt, denn kaum ein Mensch wusste damals eigentlich, was Software ist. Mit dem Plan, sich in einem Markt zu behaupten, in dem damals internationale Großkonzerne wie IBM und Siemens sich tummelten, galt man endgültig als Spinner.

Kamen Ihnen diese Zweifel nie?

Das Risiko war für uns SAP-Gründer überschaubar. Denn wenn das Projekt schief gegangen wäre, hätten wir mit unserem Wissen und Können jederzeit wieder eine Anstellung bekommen. Das finanzielle Risiko war zudem schon deshalb überschaubar, da wir ohnehin keine Kredite bekommen haben – wir haben es nicht mal versucht. Und der Begriff „Risikokapitalgeber“ war zu dieser Zeit ebenfalls ein Fremdwort.

Beides gibt es heute. Hat sich die Situation für Firmengründer also verbessert?

Wir haben heute zweifelsfrei ein besseres Gründerklima als damals. Es hat sich schon deshalb etwas verändert, da man kleinen und wendigen Firmen heute viel mehr zutraut. Und keiner, der in junge Firmen investiert, erwartet, dass jede Gründung erfolgreich sein wird. Aber es gibt eben viele gute Ideen, die es wert sind, verfolgt zu werden.

An wie vielen Firmen sind Sie aktuell beteiligt?

Derzeit bin ich dabei, eine Reihe der alten Beteiligungen abzustreifen. Die Brauereien sind verkauft. Übrig geblieben sind eine Reihe von Immobilien und Grundstücken wie beispielsweise das Henninger Gelände in Frankfurt. Im Bereich Risikokapital konzentriere ich mich derzeit auf den Bereich Biotechnologie. Auf diesem Sektor bin ich an rund 15 Unternehmen beteiligt.

Wie kamen Sie auf diese Branche?

Im Grunde war dabei auch ein bisschen Zufall im Spiel. Vor zwei Jahren ist die 1999 gegründete Firma Heidelberg Pharma in die Insolvenz gegangen. Mir war schon lange erzählt worden, dass diese Firma ein enormes Potenzial hat, tolle Ideen und gute Produkte. Es wurde nach einer Lösung gesucht, und ich habe mich dort mit 25 Millionen Euro engagiert.

Aber das allein macht Sie noch nicht zum größten Einzelinvestor in der deutschen Biotechnologiebranche, der Sie inzwischen sind.

Aus diesem ersten Schritt ist dann mehr geworden. Das Thema Biotechnologie und Medizin begeistert mich. Mit Friedrich von Bohlen, Gründer des Biotechunternehmens Lion-Bioscience, und meinem Anwalt Christof Hettich beraten mich zwei Experten systematisch bei Investments in die Biotechnologie.

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