Gespräch mit US-Topanwalt
„Das Management braucht Waffengleichheit“

Die Zahl der Angriffe von Aktionärsaktivisten auf Unternehmensführungen und Verwaltungsräte wird weiter zunehmen. Fälle wie Yahoo, Motorola oder TUI in Deutschland, bei denen Großaktionäre versuchen, eigene Kandidaten in Verwaltungsräte zu entsenden, um die Unternehmensstrategie zu beeinflussen, sind nur der Anfang. Davon geht Larry Sonsini, Chairman von Wilson Sonsini Goodrich & Rosati, im Gespräch mit dem Handelsblatt aus.

Gleichzeitig werden die Erfolgsaussichten der Angreifer immer besser, da sie so viel Kapital und Know How wie nie zuvor zur Verfügung haben. Außerdem erleichtere die Gesetzgebung ihr Vorgehen immer mehr. Deshalb fordert der Top-Anwalt des Silicon Valleys mehr Waffengleichheit für das Management.

Während die Kommunikation der Aktivisten mit den anderen Aktionären immer weiter erleichtert und verbessert werde, habe ein Vorstand kaum Möglichkeiten, die Aktionäre über die Ziel oder Absichten von Aktivisten zu informieren. Etwa, wenn Aktivisten eigene Kandidaten für den Verwaltungsrat vorschlagen. Das müsse geändert werden, so Sonsini. der auch als Chairman des NYSE Regulation, Enforcement and Listing Standards Komitees amtiert und Chairman des juristischen Beraterkomitees der Börse ist. "

Wir dürfen uns nicht nur ein paar Börsenregeln ansehen und verändern, wir müssen uns dann auch alle anschauen." Immer mehr Hedgefonds und Großaktionäre wie Carl Icahn versuchen derzeit, aktiv auf Unternehmen wie Yahoo oder Motorola Einfluss zu nehmen. Das kann Mehrwert schaffen, muss es aber nicht, so Sonsini: "Manche Hedge-Fonds haben eindeutige Kurzfristziele; das muss nicht gleichzeitig gut sein für das Unternehmen." Insgesamt sei der Trend vom "verwaltungsrats- zum aktionärszentrierten Management" aber nicht mehr aufzuhalten, warnt Sonsini die Vorstandsetagen börsennotierter Unternehmen. Darauf müssten sich die Manager einstellen.

Wilson Sonsini ist auf die Beratung von Technologiefirmen spezialisiert mit über 500 Mill. Dollar Honorarumsatz in 2007 die größte Anwaltskanzlei Kaliforniens und eine der größten der USA. Die Kanzlei hat alle namhaften Börsengänge des Silicon Valley einschließlich des Google-Börsengangs begleitet. Wilson Sonsini hat im vergangenen Jahr mit Shanghai sein erstes Auslandsbüro eröffnet und plant laut Larry Sonsini auch eine Expansion nach Europa.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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