Gespräch mit Vorstandsmitglied Jeff Raikes
Microsoft greift im Internet an

Der US-Konzern Microsoft geht im Wachstumsmarkt mit internetbasierter Software zum Angriff über. „Wir werden unser Angebot mit Software als Service in den kommenden Monaten ausbauen. Das gilt vor allem für das Geschäft mit Unternehmenskunden“, sagte Jeff Raikes, der Leiter der Business- und Serversparte des Unternehmens, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

FRANKFURT. Microsoft zielt damit auf Anbieter wie Salesforce.com, die ihre Kundenmanagement-Software (CRM) als webbasierte Anwendung vertreiben. Dabei greifen die Nutzer über ihren Internetbrowser auf die Software zu, die bei einem Dienstleister gespeichert ist. Microsoft hat in diesen Tagen seine webbasierte CRM-Lösung vorgestellt.

Weitere Anwendungen werden folgen. Welche, das wollte Raikes nicht sagen. „Grundsätzlich sind alle serverbasierten Applikationen für das Modell ,Software als Service‘ geeignet“, sagte er. Damit kommen zentrale Teile der Office-Lösungen infrage, etwa der Exchange-Server.

Software als Service (SaaS) ist eines der Boomthemen in der IT-Industrie. Nach Ansicht der Marktforscher von Gartner wird der weltweite Umsatz mit SaaS-Produkten im laufenden Jahr um 21 Prozent auf 5,1 Mrd. Dollar zulegen, 2011 sollen dann bereits 11,5 Mrd. Dollar erreicht werden.

Mit dem Ausbau des SaaS-Angebots stärkt Microsoft sein Firmenkundengeschäft, das für den Konzern eine große Bedeutung hat. Die Sparte war neben guten Verkäufen des neuen Betriebssystems „Vista“ und des Konsolenspiels „Halo“ der maßgebliche Treiber für die vergangene Woche vorgelegten Rekordergebnisse. Im ersten Quartal waren der Konzernumsatz um 27 Prozent auf 13,76 Mrd. Dollar und das Ergebnis um 23 Prozent auf 4,29 Mrd. Dollar gestiegen, was die Microsoft-Aktie am Freitag um über zehn Prozent in die Höhe trieb.

Dabei galt Microsoft gerade bei internetbasierter Software lange Zeit als Zauderer. Der Konzern lebt gut von seinen Erlösen durch vor Ort installierte Software. Doch Raikes will diese Kritik nicht gelten lassen: „Microsoft ist schon lange in diesem Geschäft tätig. Denken Sie nur an Produkte wie Hotmail oder den Zugang zum Unternehmens-E-Mail-Postfach über das Internet.“ Allerdings räumte Raikes ein, werde „SaaS einen großen Einfluss auf das traditionelle Softwaregeschäft haben“.

Das bekommt der Konzern aus Redmond bislang vor allem bei Privatkunden zu spüren. So ist etwa Google seit einiger Zeit mit einem eigenen E-Mail- und Bürosoftware-Angebot im Markt. Auch IBM und Adobe drängen in dieses Geschäft. Dennoch bleibt Raikes gelassen: „Für dieses Massengeschäft haben wir unsere ,Live‘-Angebote gestartet. Uns geht es aber gegenwärtig primär um die Geschäftskunden“, sagte er und stichelte: „Es ist eine Sache, seine Privatmails über Google zu verwalten. Die Unternehmenskommunikation über solche Anbieter laufen zu lassen, ist aber etwas völlig anderes.“

Bei Firmenkunden habe Microsoft zudem noch andere Vorteile gegenüber den Wettbewerbern. Dazu zählt Raikes zum Beispiel das enge Partnernetz: „Gerade bei den mittelgroßen Firmen sind Partner, also Ansprechpartner vor Ort, enorm wichtig.“

Zudem werde internetbasierte Software jene, die vor Ort auf den Rechnern installiert ist, nicht komplett ablösen: „Es wird auf absehbare Zeit beides geben. In der Kombination beider Modelle, in der Wahlmöglichkeit des Kunden liegt die Stärke.“

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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