Gesundheitskarte
Rösler beruhigt die IT-Branche

Die Ärzte wehren sich gegen die geplante Gesundheitskarte und warnen vor dem gläsernen Patienten. Vor einem Monat sah es so aus, als gelinge es den Medizinern sogar, den neuen Gesundheitsminister auf ihre Seite zu ziehen. Doch die Gesundheitskarte wird kommen - allerdings nicht in der Form, die sich die Anbieter erhofft hatten.
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DÜSSELDORF. Das gibt es nur in Deutschland: Lautstark protestieren Mediziner während der Präsentation einer neuen Software auf der Fachmesse Medica in Düsseldorf. Das Programm soll den Datenaustausch zwischen Klinik und Arztpraxis erleichtern, die Ärzte aber warnen mit Plakaten vor dem gläsernen Patienten. Sie wehren sich gegen die elektronische Vernetzung im Gesundheitswesen, die in anderen Ländern bereits Realität ist. Ihr Lieblingsfeind: Die Gesundheitskarte, die als die Basis für einen sicheren Datenaustausch über ein Telemedizinnetzwerk gedacht ist.

Vor einem Monat sah es so aus, als gelinge es den Medizinern sogar, den neuen Gesundheitsminister auf ihre Seite zu ziehen. Philipp Rösler verunsicherte die IT-Branche mit der Ankündigung, er wolle eine Bestandsaufnahme bei der Gesundheitskarte durchführen. Das Gespräch von Vertretern der Branche mit dem Minister am Freitag brachte nun Klarheit: Die Gesundheitskarte wird kommen.

Der Minister habe deutlich gemacht, dass er an der Technik grundsätzlich festhalten wolle, die Basis für eine Vernetzung im Gesundheitswesen ist und Kosten von bis zu 500 Mio. Euro einsparen soll. Das bestätigte gestern Staatssekretär Daniel Bahr gegenüber dem Handelsblatt. "Das, was sinnvoll und praktikabel ist, setzen wir sofort um", sagte Bahr.

Die Karte wird es nur in einer stark abgespeckten Version geben. Auf der Karte sind zunächst nur die Daten des Patienten gespeichert, die die Kasse über eine Onlineverbindung künftig abgleichen können, um Missbrauch zu verhindern. Zudem kann der Arzt für den Patienten Informationen speichern, die eine Behandlung bei einem Notfall erleichtern. Als drittes sei geplant, dass Ärzte untereinander den Arztbrief online verschicken können, der heute per Post versandt wird", berichtet der verantwortliche Bitkom-Vertreter Pablo Mentzinis.

Es sei allerdings nicht gelungen, den Minister davon zu überzeugen, dass bereits zu Anfang auch das elektronische Rezept auf der Karte gespeichert wird, so der Bitkom-Experte. Auch die elektronische Patientenakte rücke in weite Ferne. Mentzinis gibt sich aber zuversichtlich, dass auch diese Funktionen früher oder später eingeführt werden. "Ohne diesen Mehrwert ist der Aufwand für die Vernetzung einfach zu teuer", so Mentzinis? Argument.

Während Rösler noch mit den Vertretern der Gesundheitsbranche diskutiert, haben gesetzliche Kassen mit der Ausgabe der neuen Karten an ihre Versicherten begonnen. Derzeit wird die Karte, die sich äußerlich nur durch die Art des Chips und durch ein Foto von der normalen Versichertenkarte unterscheidet, in der Startregion Nordrhein ausgegeben. Bis Ende 2011 sollen alle rund neun Mio. Versicherten der Region die neue E-Card haben. Danach soll die Verteilung bundesweit fortgesetzt werden.

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Kommentare zu " Gesundheitskarte: Rösler beruhigt die IT-Branche"

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  • Zu Nr. 2 /Liebe Ärzte...

    ich bin selbst Patientin und bin entsetzt über ihre Unwissenheit über die eCard.
    Statt hier die Ärzte zu beschimpfen, sollten sich sich mal echte Gedanken darüber machen, welche Nachteile wir Patienten durch die Speicherung sensibler Krankheitsdaten in Großrechenzentren erleiden könnten. Sie sollten sich vielleicht erst einmal informieren, bevor Sie hier so einen Unsinn verbreiten. Aufgeklärte Patientinnen wollen nämlich keine eCard!!!

  • ich höre nur Umsatzsteigerung, Gewinn, Profit, Vernetzung und zukunftsweisend? Wer spart den Geld? nicht die Sachdienstleister (Ärzte), nicht die Patienten - nur die Verwaltung; ich habe noch keine Verwaltung im öffentlichen Dienst gesehen, die gespartes Geld an seine Zwangsmitglieder weitergegeben hätte!
    Profitieren werden auch alle, die technische Entwicklungen dazu beitragen, sei es als Soft- oder Hardware.
    Die maßgeblichen Player - die Ärzte - brauchen aber gar keine e-Akte oder gar ein e-Rezepte, auch keine Notfalldaten auf Chipslette. Patienten brauchen das noch weniger.

  • ...nur zu gut verstehe ich die Ängste der Ärzteschaft durch die Gesundheitskarte, bzw. eine erhöhte Transparenz im Gesundheitswesen, einen noch größeren Kosteneinsparungsdruck durch die Kostenträger zu erfahren. Dennoch: Das Rad der Zeit dreht sich. Das inseldasein im Gesundheitswesen muß endlich ein Ende finden. Eine Vernetzung aller Akteure, sowie eine strukturierte Zusammenarbeit, wird die Qualität unseres Gesundheitswesens nachhaltig verbessern. Die (finanziellen) Folgen für die Ärzteschaft werden dabei überschaubar bleiben. Schluß mit dem Lamentieren.

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