Der Europäische Metallgewerkschaftsbund hat europaweite Aktionen gegen Nokia wegen der geplanten Werksschließung in Bochum angekündigt. Unterdessen hat der Bochumer Betriebsrat einen Plan ausgearbeitet, demzufolge mit einer Einmal-Investition von mehr als 14 Mill. Euro die Produktion bei gleicher Mitarbeiterzahl verdoppelt werden könnte.
BERLIN/BOCHUM. An diesem Mittwoch würden in Brüssel alle Gewerkschaften zusammenkommen, die Mitglieder in Nokia-Betrieben in Europa haben, um über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten, sagte EMB-Generalsekretär Peter Scherrer am Dienstag im Deutschlandradio.
Europaweite Streiks seien zwar schwer zu organisieren, aber es werde über punktuelle Streiks gesprochen. Erreicht werden solle, dass Nokia die Schließung des Bochumer Werkes aussetzt und intensiv über Alternativen nachgedacht wird. „Das hätte bei einer guten und verantwortungsvollen Unternehmensführung schon viel früher kommen müssen“, sagte Scherrer.
Was eine Rücknahme der Schließung des Bochumer Nokia-Werkes angehe, sagte der EMB-Generalsekretär: „Ich hab da durchaus Hoffnung.“ Das Unternehmen Nokia habe in dieser Affäre schon reichlich Gesichtsverlust erlitten. „Da kommt es darauf auch nicht mehr an“, sagte Scherrer.
Er zeigte sich erstaunt, dass die Unternehmensführung über die „Wucht der Reaktionen“ überrascht sei. Sie hätten aus der Schließung des AEG Elektrolux-Werkes in Nürnberg vor zwei Jahren und anderen Fällen ihre Lehren ziehen können.
Der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck hat den finnischen Handhersteller Nokia aufgefordert, das geplante Aus für das Bochumer Werk zu überdenken. „Der Kampf um Nokia in Bochum ist noch lange nicht verloren“, sagte Beck am Montagabend auf einem Parteitag der SPD in Bochum-Wattenscheid. Im Hinblick auf gezahlte Subventionen sagte er, Nokias Verhalten sei, wenn nicht unbedingt im juristischen Sinne, so doch politisch „nackter Betrug“.
Zudem müsse die europäische Subventionspolitik überprüft werden. Bei der Globalisierung dürften Menschen icht „Versuchskaninchen“ sein. Unterdessen zeigte sich der Betriebsrat am Montag zufrieden mit den Ergebnissen eines ersten Gespräches zwischen Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo und NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU).
Ein grundsätzliches „Nein“ sei erst einmal vom Tisch, sagte die Bochumer IG Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm nach dem Treffen. „Unsere Rechnung ist aufgegangen. Politik und Unternehmen haben Gespräche aufgenommen,“ sagte die Gewerkschafterin. Der Betriebsrat gehe jetzt davon aus, ebenfalls mit der Geschäftsführung zu sprechen.
„Unser Ziel ist, dass unsere Vorschläge geprüft werden“, sagte Kleinebrahm. Unter anderem schlage der Betriebsrat Investitionen vor, um bei gleicher Mitarbeiterzahl die Produktion zu verdoppeln. Das wäre eine gleiche Produktivität wie in Ungarn, sagte Achenbach.
Nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ (Dienstag) wäre für eine solche Verdopplung der Produktion eine Einmal-Investition in Höhe von 14,3 Mill. Euro nötig. Dies gehe aus einem internen Konzeptpapier hervor, an dem die Bochumer Nokia-Belegschaft schon seit einem Jahr gemeinsam mit dem örtlichen Management gearbeitet habe, berichtet das Blatt.
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Außerdem werde darüber diskutiert, in Bochum eine Testlinie für die Montage neuer Telefon-Modelle aufrechtzuerhalten, an der bis zu 100 Nokia-Beschäftigte arbeiten sollen. Bei dem Treffen zwischen Kallasvuo, Thoben und dem Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums, Hartmut Schauerte (CDU), war am Montag eine gemeinsame Suche nach „innovativen Lösungen für die Zukunft des Nokia-Standortes Bochum“ vereinbart worden.
Das Unternehmen und die Landesregierung wollten zu diesem Zweck sofort ein Arbeitsteam einsetzen, hieß es. Bundes- und Landesregierung legten großen Wert darauf, dass die Nokia-Unternehmensleitung „kurzfristig in ausführliche Gespräche mit dem Betriebsrat eintritt und bereit ist, auch dessen Vorstellungen für den Standort zu erörtern“.
Für rund 200 Nokia-Mitarbeiter in Bochum zeichnet sich derweil eine Lösung ab. Derzeit werde mit einem Konsortium über den Kauf der in Deutschland und den USA angesiedelten Automobilzulieferer-Sparte verhandelt, teilte der Handy-Hersteller am Montag in Helsinki mit.
Insgesamt beschäftige der Bereich 240 Menschen, fast alle davon in Deutschland. Interesse habe der frühere Nokia-Manager Razvan Olosu, der den Bereich zusammen mit dem Finanzinvestor Equity Partners übernehmen wolle, hieß es. Derzeit würden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über den Wechsel von Beschäftigten der Sparte zum Käuferkonsortium geführt.
Die Transaktion soll in der ersten Hälfte dieses Jahres abgeschlossen werden. Die Partner wollten ihr Geschäft in Deutschland und den Vereinigten Staaten stärken, sagte Razvan Olosu. Die Automobilzulieferer-Sparte von Nokia liefert Kommunikations- und Multimedia-Lösungen rund ums Auto. Nokia hatte Mitte Januar die Schließung seiner deutschen Handy-Produktion in Bochum mit rund 2 300 fest angestellten Beschäftigten angekündigt.

