Gewinn dank Alibaba
Yahoo schwimmt in fremdem Geld

Die Beteiligung an Alibaba hat sich für Yahoo ausgezahlt. Aber wie sieht es in der Quartalsbilanz mit eigenen Erfolgen aus? Im Analystengespräch mit CEO Marissa Mayer zeigen sich kleine Fortschritte.
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San FranciscoNein, Marissa Mayer bekommt nichts geschenkt. Der Nettogewinn von Yahoo sprang im dritten Quartal von 297 Millionen im Vorjahr auf 6,8 Milliarden Dollar, doch die Börse bleibt realistisch. Sie schenkt der Yahoo-Chefin nur vier magere Prozent Kursgewinn.

Denn das ist nur der Geldsegen aus dem Börsengang von Alibaba. Viel wichtiger ist, ob die CEO eine Vision hat, was sie mit dem Geld zum Wohle von Unternehmen und Aktionären anfängt. Zumindest kleine Fortschritte werden im Analystengespräch erkennbar.

Den Zustand von Yahoo beschreibt der Umsatz: Er liegt netto bei 1,09 Milliarden Dollar für das Quartal zum Ende September. Das ist ein dürres Prozent mehr als im Vorjahr, aber immerhin einen Schnaps besser als die eigene Prognose von maximal 1,06 Milliarden Dollar. Dennoch kann die Entwicklung bei Yahoo kaum bestehen neben den zweistelligen Umsatzsprüngen, die Giganten wie Google oder Facebook vorweisen.

An die Zeiten, als Yahoo der einsame Marktführer der Display-Anzeigen war, kann sich schon gar keiner mehr erinnern. Um diese Krone schlagen sich heute Google und Facebook. Yahoo dagegen verzeichnet einen Schwund im diesem Bereich der Online-Werbung. Erneut geht es dort um sechs Prozent bergab.

Auch die um die Sonderposten bereinigten Gewinne enthüllen eine schwierige Lage. Das Betriebsergebnis nach GAAP fiel um 55 Prozent auf 42 Millionen Dollar, bereinigt blieb immer noch ein Minus von zehn Prozent auf 156 Millionen Dollar.

„Wir haben massiv in Mobile investiert“

Also mal wieder gar kein Lichtblick? Nicht ganz. Als aktive Vorwärtsverteidigung wies Mayer am Dienstag zum ersten Mal den Anteil des mobilen Werbeumsatzes aus. „Über 200 Millionen“ Dollar, also rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes kamen über mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones. „Wir haben massiv in Mobile investiert“, so Mayer, „und es zahlt sich aus.“

Zumindest ist es ein Anfang. Mark Zuckerberg hatte in nur sechs Quartalen den Anteil der mobilen Werbung bei Facebook von praktisch Null auf über 60 Prozent geschossen. Da kann Yahoo nicht mithalten. Aber die Richtung stimme wenigstens, lobten Analysten.

Yahoo erwartet für das Gesamtjahr 2014 mobile Werbeeinnahmen von 1,2 Milliarden Dollar. Tumblr, der für eine Milliarde Dollar vor 15 Monaten gekaufte Blogdienst, werde 2015 rund 100 Millionen Dollar Umsatz beisteuern, verspricht die CEO weiter. Zu Gerüchten, Yahoo werde eine Videoplattform für 700 Millionen Dollar kaufen, nahm Mayer nicht Stellung. Sie versprach nur, man werde verantwortlich bei Kaufentscheidungen sein.

Nachbörslich stieg der Aktienkurs auf bis zu 41,40 Dollar an, was für eine Börsenbewertung von gut 40 Milliarden Dollar reicht. Doch allzu stolz kann die frühere Google-Managerin darauf nicht sein. Denn das entspricht bloß dem aktuellen Gegenwert der verbliebenen Beteiligung an Alibaba in Höhe von 34 Milliarden Dollar plus den sechs Milliarden Dollar aus dessen Börsengang.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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