Gewinnen im Kielwasser von Netflix
Roku strebt an die Börse

Das nächste von Verlusten geplagte Start Up will an die Börse. Werden die Anleger Roku lieben oder nach der Pleite mit Snap und Blue Apron die kalte Schulter zeigen?
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San FranciscoRoku ist einer der bekanntesten Verkäufer von TV-Streamingeräten in den USA. Als fertiges TV-Gerät von verschiedenen Anbietern oder als TV-Box an einen Flachfernseher angeschlossen, liefert er Zugang zu dem eigenen Dienst, aber auch Netflix oder Amazon Prime Video und Hulu. In 2016 setzte das kalifornische Unternehmen 398,5 Millionen Dollar um, ein Plus von 25 Prozent zum Vorjahr. Der Nettoverlust summierte sich auf 42,8 Millionen Dollar. Roku segelt sozusagen im Kielwasser der enormen Popularität von Netflix und Co, die laut Marketingfirma Comscore mittlerweile in 54 Prozent der US-Haushalte vertreten sind. Fast 75 Prozent des Umsatzes wird dem Geräteverkauf erzielt, wo sich Roku gegen Apple TV, Slingbox oder Amazon Fire TV behaupten muss. Aber auch Spielekonsolen wie die X-Box von Microsoft oder Sonys Playstation bieten diese TV-Option.

Laut am Freitag bei der Börsenaufsicht SEC eingreichten Prospekt werden bis zu 100 Millionen Dollar am Aktienmarkt nachgefragt, aber Menge und Preis der auszugebenden Aktien ist noch nicht klar.
Die Wachstumsstrategie ruht auf drei Säulen: Mehr Kunden gewinnen, mehr Stunden, die die Kunden aktiv sind, also auch Werbung sehen können, und mehr Umsatz pro Kunde. Der lag 2016 im Schnitt bei 11,22 Dollar, ein Plus von 35 Prozent zum Vorjahr, die Zahl der aktiven Kunden wird mit 15,1 Millionen angegeben, 43 Prozent mehr als 2015. Roku profitirt vom Trend der „Cord Cutter“, Kabel-Kunden, die ihre teuren Pay-TV-Pakete kündigen und nur noch Internet und Anbieter wie Roku oder Netflix und Hulu nutzen.

Roku wurde 2002 gegründet und war zunächst eine reine Abspielplattform für fremde Anbieter wie Netflix, mit dem Fokus auf Benutzerfreundlichkeit. Schließlich kam eine eigene Plattform dazu, mit der auch Werbeerlöse erzielt werden. Das Unternehmen beruht zur Erzielung seines Umsatzes auf nur einer Handvoll Inhaltelieferanten, heißt es im Börsenprospekt, und der Markt sei extrem umkämpft. Erst jüngst hat Disney auf sich aufmerksam gemacht, als es seine Inhalte von Netflix abgezogen hat.

Der Börsengang kommt zu einer schwierigen Zeit. Börsengänge von Silicon Valley-Stars wie GoPro oder FitBit haben sich mittlerweile zu Flops entwickelt. Blue Apron, der Anbieter von abgepackten Menüs zum Selbstkochen, liegt bereits fast 50 Prozent um den ohnehin im Vorfeld dreimal gesenkten Ausgabepreis von zehn Dollar und auch das soziale Netzwerk Snapchat ist mittlerweile tief unter Ausgabepreis gesunken. Roku wird sich etwas einfallen lassen müssen, um die Anleger zu überzeugen, dass man einen anderen Weg einschlagen wird. Im ersten Halbjahr 2017 lag der Nettoumsatz bei 199 Millionen Dollar und der Nettoverlust bei 21 Millionen Dollar. Ohne Wachstum im zweiten Halbjahr droht eine Stagnation. Das wäre ein Szenario wie bei Snap, Twitter oder Blue Apron.

Wer wird am Börsengang verdienen? Das sind in erster Linie die Großaktionäre Twenty-First Century Fox, die Investmentgesellschaft Fidelity und Menlo Ventures. Morgan Stanley, Citigroup und RBC Capital Markets gehören zu den Emissionsbanken.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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