Gewinnwarnung und Personalie
Dell soll Dell auf Vordermann bringen

Zurück in die Zukunft für den US-Computerhersteller: Firmengründer Michael Dell übernimmt mit sofortiger Wirkung wieder den Chefposten. Der Rücktritt des bisherigen Unternehmenslenkers Kevin Rollins folgt einer Serie von schwachen Quartalen, in denen Dell seine Position als Marktführer an den Rivalen Hewlett-Packard abgegeben musste. Auch jetzt sieht es trübe aus.

je/HB PORTLAND. Wie das Unternehmen nach US-Börsenschluss mitteilte, wird Dell den Chefposten zusätzlich zu seinem Amt als Vorsitzender des Direktoriums übernehmen. Rollins wird komplett ausscheiden, auch aus dem Direktorium. Soweit die positive Nachricht für die Aktionäre. Die negative folgte jedoch auf dem Fuße: Sowohl der Umsatz wie der Gewinn für das vierte Quartal werde unter den Erwartungen der Analysten bleiben, kündigte das Unternehmen an ohne konkrete Zahlen zu nennen. Im Schnitt lagen die Prognosen bisher bei 15,3 Mrd. Dollar Umsatz und 32 Cents pro Aktie Reingewinn.

Die Freude über den Abgang Rollins überwog jedoch bei den Anlegern. Der Kurs der Dell-Papiere reagierte auf die Nachrichten im nachbörslichen Handel mit einem Anstieg um 5 Prozent auf 25,35 Dollar.

Das Direktorium halte Michael Dells „Vision und Führung“ für entscheidend, um die führende Rolle des Unternehmens in der Technologiebranche langfristig zu gewährleisten, erklärte das Gremium. Dell hatte das Unternehmen 1984 als Student gegründet und an die Spitze der Computerindustrie geführt. Der Konzern unterscheidet sich von der Konkurrenz durch seinen ausschließlichen Direktvertrieb. Rollins, der seit 1996 bei Dell war, wurde 2004 als Nachfolger von Michael Dell Konzernchef.

Gemischte Reaktion

Analysten bewerteten die Entscheidung unterschiedlich. „Es gab mit Sicherheit Druck für einen Führungswechsel“, sagte Brent Bracelin von Pacific Crest Securities. Dennoch sei er überrascht. „Diese Art von Turbulenzen bei einem Unternehmen, das in den kommenden anderthalb Jahren wahrscheinlich 60 Mrd. Dollar Umsatz macht, ist mit Sicherheit Besorgnis erregend.“ Charles Wolf von Needham & Co. sprach von einem nötigen Schritt: „Das Finanzergebnis des Konzerns hat sich verschlechtert seit Rollins übernahm.“ James Ragan von Crowell, Weedon & Co. sagte, die Entscheidung werde hoffentlich zu wieder steigenden Marktanteilen, Verbesserungen der Produktqualität und mehr Innovationen führen.

Der einstige Börsenliebling Dell kämpft seit geraumer Zeit mit einem schleppenden Wachstum. Zuletzt verlor Dell seine Position als PC-Weltmarktführer an den Rivalen Hewlett-Packard. HP hat nach Einschätzung von Analysten für die rasant wachsenden Märkte der PCs für Privatkunden sowie Drucker und Laptops eine bessere Strategie als Dell und wächst daher schneller.

Daneben ist Dell wegen des Verdachts auf Bilanz-Unregelmäßigkeiten in das Visier von Börsenaufsicht und Staatsanwaltschaft geraten. Die Vorlage seiner Zahlen für das dritte Quartal hatte Dell deshalb verschieben müssen. Dabei warnte es, die Ermittlungen könnten dazu führen, dass auch ältere Geschäftsberichte korrigiert werden müssten. Vor diesem Hintergrund hatte Dell im Dezember bereits seinen Finanzchef James Schneider durch den früheren American-Airlines-Chef Donald Carty ersetzt.

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