Gigpfeltreffen bei Merkels
IT-Branche: Einsame Spitze

Die deutsche IT-Branche trifft sich am Montag zum Gipfel mit der Bundeskanzlerin. Die Unternehmen erhoffen sich davon neue Wachstumsimpulse. Von der Politik verlangen sie Initiativen bei Ausbildung, Arbeitsrecht und für den Abbau der Bürokratie.

FRANKFURT. Das blaue SAP-Logo ist allgegenwärtig auf den modernen Glasgebäuden, die hier nicht „Haus“ oder „Bau“, sondern „Building" heißen. Deutschland – einig IT-Entwicklungsland? Wer die Zentrale des weltgrößten Firmensoftware-Anbieters SAP besucht, für den ist dieses Bild schwer nachvollziehbar. Nirgendwo ist das berühmte Silicon Valley, die Geburtsstätte vieler erfolgreicher amerikanischer IT-Unternehmen, näher als in der ansonsten beschaulichen Spargelregion Walldorf.

Und doch – es ist nicht gerade gut bestellt um die deutsche ITK-Industrie, die Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnologie. Vor allem in der Hardware, also bei den IT-Geräten, und auch in vielen Softwarebereichen haben andere Länder wie etwa die USA die Nase vorn. Dabei sind die absoluten Zahlen gar nicht so schlecht. Mit 800 000 Beschäftigten zählt die Branche zu den größten in Deutschland. Immerhin 148 Milliarden Euro wird sie in diesem Jahr umsetzen. Doch es fehlt die kritische Masse. Jenseits der wenigen Flaggschiffe kommt lange Zeit nichts mehr. „Das langfristige Ziel für Deutschland ist die Formel 100 mal 100: einhundert IT-Firmen mit einem Umsatz von mindestens 100 Millionen Euro“, sagt August-Wilhelm Scheer, Gründer und Aufsichtsratschef der Software- und IT-Dienstleistungsfirma IDS Scheer.

Über die Gründe für den Rückstand streiten die Experten seit langem. Einer ist die fehlende Größe des Heimatmarktes. Während amerikanische IT-Unternehmen vor der eigenen Haustür den weltgrößten IT-Markt und damit glänzende Absatzmöglichkeiten vorfinden, kämpfen deutsche und andere europäische Anbieter mit kleinen nationalen Märkten und vielen Hürden im angeblich vereinten Europa.

„Das Urproblem unserer Branche in Deutschland und Europa ist, dass wir eine Initiative für die IT-Industrie brauchen, die dem Modell der Star-Alliance in der Luftfahrt folgt“, sagt Karl-Heinz Streibich, Vorstandschef der Darmstädter Software AG (SAG).

Nun soll alles besser werden. Rund hundert Vertreter aus der IT-Industrie und der Forschung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für den kommenden Montag ins Hasso-Plattner-Institut nach Potsdam eingeladen. Die Liste der Teilnehmer ist so lang wie prominent. SAP-Chef Henning Kagermann wird ebenso kommen wie sein Kollege Streibich und der frisch gekürte Telekom-Vorstandsvorsitzende Rene Obermann. Auch Merkel bringt Verstärkung mit. So sind Wirtschaftsminister Michael Glos, Innenminister Wolfgang Schäuble und Bildungsministerin Annette Schavan dabei.

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