Gipfeltreffen
Obamas Tafelrunde mit den IT-Göttern

US-Präsident Barack Obama hat sich mit den Managern der High-Tech-Industrie getroffen - zu einer denkwürdigen Tafelrunde. Ganz besonders für Mark Zuckerberg. Für ihn ist das Treffen wie ein Ritterschlag.
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DüsseldorfEs ist ein Bild für die Ewigkeit, eine Aufnahme, die alles und nichts verrät, die das Weiße Haus da veröffentlicht hat. Präsident Barack Obama ist darauf zu sehen, er sitzt an einer langen, weiß gedeckten Holztafel. Er hält ein Glas hoch, erhoben zum Toast. Rings um ihn herum sitzen 14 Männer und Frauen. Nicht irgendjemand, allesamt Manager, bekannte, teils milliardenschwere Persönlichkeiten von Amerikas Zukunftsindustrie Nummer eins: der High-Tech-Branche.

Die Gästeliste liest sich wie das Who-is-who der Branche: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der scheidende Google-Vorstandschef Eric Schmidt und der Chef des SAP-Rivalen Oracle, Larry Ellison. Yahoo-Chefin Carol Bartz, Art Levinson von Genentech, Cisco-Chef John Chambers, Dick Costolo von Twitter, Top-Investoren wie Steve Westly sitzen um den Präsidenten herum. Ihr aller Gastgeber: John Doerr, einer der einflussreichsten Strippenzieher im Valley. Und auch er fehlte nicht: Steve Jobs, der iGott persönlich, lebend und wohlauf - allen Todesgerüchten, die ein Boulevard-Blatt in die Welt gesetzte hatte, zum Trotz.

Weniger interessant als die Themen, die Obama mit den IT-Promis besprechen wollte, ist zum einen die Gästeliste selbst - und dieses eine, große Bild. Die Gästeliste deshalb, weil zwei Namen darauf fehlen: der von Microsoft-Chef Steve Ballmer und der HP-Chef Léo Apotheker - und dies, obwohl Microsoft der Softwaregigant schlechthin ist, und Hewlett-Packard die Erfolgsgeschichte des Silicon Valley begründet hat.

Noch mehr über das Gewicht, das die Unternehmen und ihre Chefs im Weißen Haus genießen, verrät die Sitzordnung. Das Bild. Links neben Obama sitzt in seinem typischen schwarzen Pullover Apple-Chef Steve Jobs, und rechts: Mark Zuckerberg, und zwar im feinen Hemd. Und als einer der wenigen in diesem Moment macht Zuckerberg einen freudigen, heiteren Eindruck, da rechts neben dem Präsidenten, neben dem immer noch mächtigsten Mann der Welt. Gegenüber hat Larry Ellison Platz genommen. Kein junger Hipster, ein echtes Schwergewicht.

Und wo ist Google? Eric Schmidt sitzt ab vom Schuss, an der Seite, fast schon am Katzentisch. Was das aussagt? Vielleicht gar nichts, vielleicht ist diese Sitzordnung aber auch ein Spiegelbild der neuen Machtverhältnisse - zumindest im Augenblick.

Wie wichtig Obama Zuckerberg, oder besser dessen Netzwerk Facebook, nimmt, zeigt die einzige weitere offizielle Aufnahme von diesem Treffen. Sie zeigt Barack Obama im Gespräch mit - Zuckerberg. Und am Rand steht Googles Schmidt. Und selbst wenn dieser eine Minute später genauso persönlich mit Obama gesprochen haben sollte, so ist es doch die Aufnahme mit Zuckerberg, die das Weiße Haus veröffentlicht hat. Keine Frage, der Facebook-Gründer hat den Zenit seiner Popularität erreicht.

Offiziell, so ein Sprecher des Präsidenten, habe sich Obama  mit Unternehmensführern von Technologiekonzernen über Innovation und Arbeitsplatzschaffung unterhalten. Der Präsident habe Vorschläge für Investitionen in den Bereichen Forschung und Ausbildung diskutiert und seinen Plan zur Verdopplung von Exporten in den nächsten fünf Jahren erläutert. Auch das ist ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert Zuckerberg inzwischen hat - nämlich den eines großen, früher hätte man vielleicht gesagt, Tycoons. Aber Achtung, dass Schmidt nur noch an der Seite saß, sollte Zuckerberg eine Mahnung sein.

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