Globale Produktion
Warum es kein faires Handy gibt

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„Niemand versteht die Lieferkette komplett“

Das fängt schon damit an, dass Fairphone mit nur sieben Mitarbeitern ein so komplexes Produkt wie ein Smartphone herstellen will. Das Startup lizensiert deswegen eine Designvorlage und setzt das Betriebssystem Android ein (wobei Kunden auch Alternativen wie Firefox OS installieren können sollen). So haben van Abel und Kollegen Zeit, sich auf die Beschaffung fairer Rohstoffe zu konzentrieren.

Und auch dieser Plan ist gewagt. „Die Lieferkette der Elektronikbranche ist so komplex, dass sie niemand komplett versteht“, sagt van Abel. Viele Firmen in vielen Ländern sind daran beteiligt – von der Gewinnung der Erze bis zum Zusammenbau der Geräte. Ein Musterbeispiel für die globale Arbeitsteilung. Und eine Ausrede für die Elektronikriesen, sich nicht weiter mit der Rolle der Zulieferer zu beschäftigen.

Fairphone will eine saubere und transparente Lieferkette aufbauen. Für einige Rohstoffe haben die Aktivisten schon vertrauenswürdige Quellen gefunden. Die „Conflict-Free Tin Initiative“ beschafft Zinn, die Organisation „Solutions for Hope“, an der auch Motorola beteiligt ist, Tantal. Für das Schwermetall Wolfram suchen die Aktivisten noch einen Kooperationspartner.

Was van Abel ebenfalls lernen musste: Die offensichtliche Lösung ist nicht immer die beste. Am einfachsten wäre es, die Rohstoffe beispielsweise nicht mehr aus dem Kongo zu importieren, sondern aus Australien. Viele in den USA tätige Unternehmen verfahren so, weil der Dodd-Frank Act ihnen verbietet, Produkte mit Rohstoffen aus Konfliktregionen einzuführen.

Der Niederländer hält diesen Ansatz jedoch für falsch. Denn er schüre ebenfalls Konflikte – dann nämlich, wenn Minenarbeiter arbeitslos werden und sich Milizen anschließen. „Wir wollen etwas bewegen, indem wir konfliktfreie Mineralien aus dem Kongo verwenden, anstatt das Land komplett zu meiden“, sagt er.

Auch Fairphone kann die globale Arbeitsteilung nicht außer Kraft setzen: „Wir bauen also kein 100%ig faires Smartphone“, sagt van Abel. Das sei auch nicht möglich. Was ihm aber durchaus gelingen könnte: eine Diskussion über die Produktion von Elektrogeräten anzustoßen. „Wir wollen nicht der größte Hersteller werden, wir wollen die anderen dazu bewegen, ihre Lieferkette zu verändern.“ Gerne, indem sie dieselben Lieferanten engagieren wie Fairphone.

Es gibt erste Erfolge. Der niederländische Mobilfunker KPN hat zugesagt, 1000 Geräte abzunehmen. Und deutsche Mobilfunkunternehmen zeigen zumindest Interesse.

Es gebe einen „sehr gut funktionierenden Austausch zwischen unseren Unternehmen, bei dem auch die Aufnahme das Fairphones in das Verkaufsprogramm“ spiele, teilt etwa Vodafone mit. Eine Entscheidung darüber sei allerdings noch nicht gefallen. Der britische Konzern berät die Fairphone-Macher zudem. Die Deutsche Telekom bezeichnete das Projekt als „interessant und innovativ“. Da es aber noch in einem frühen Entwicklungsstadium sei, könne man noch nicht sagen, ob sich eine weitere Zusammenarbeit entwickeln werde. 

Inzwischen bemühen sich auch die Mobilfunker um mehr Nachhaltigkeit. Vodafone will Kunden in Deutschland künftig darüber informieren, wie nachhaltig seine angebotenen Mobiltelefone sind. In Kürze werde in den Geschäften und im Internet neben den Geräten eine leicht verständliche Bewertung angezeigt, teilte das Unternehmen auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. Der britische Konzern hatte dieses „Eco Rating“ 2011 zunächst in den Niederlanden eingeführt, inzwischen kommt die Skala in acht Ländern zum Einsatz. Die Telefónica-Tochter O2 führte bereits 2011 einen „Eco Index“ zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Handys ein.

Gut möglich, dass Nutzer ihr Smartphone künftig ohne schlechtes Gewissen auspacken können – nicht nur mit dem Fairphone.

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  • Falsch, funktioniert eben nicht!
    Oder wollen sie das Geld mit dem Hubschrauber abwerfen?
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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