Globale Produktion
Warum es kein faires Handy gibt

Klebt Blut an unseren Handys? In Elektrogeräten stecken Rohstoffe, die unter zweifelhaften Bedingungen gewonnen werden. Die Industrie erklärt, die Herkunft nicht prüfen zu können. Ein Projekt will zeigen, dass es geht.
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DüsseldorfFür viele ist es ein besonderer Moment, wenn sie ihr neues Smartphone auspacken – die Schachtel erinnert nicht selten an ein Schmuckkästchen. Woran die wenigsten Nutzer dabei denken: Das Produkt ist wahrscheinlich unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen montiert worden. Und womöglich hat ein afrikanischer Warlord mit dem Verkauf der verbauten Rohstoffe seinen blutigen Kampf finanziert.

Bei Kaffee, Bananen und T-Shirts haben Verbraucher eine Wahl – sie können Produkte kaufen, die „fair“ entstanden sind, also den Herstellern menschenwürdige Arbeitsbedingungen und ein ordentliches Auskommen ermöglichen sollen. Bei Mobiltelefonen sieht das bislang jedoch anders aus. Bas van Abel will das ändern: Der Niederländer hat ein Startup gegründet, dass möglichst faire Handys bauen will. „Bei uns steht das Soziale im Mittelpunkt“, betont er gegenüber Handelsblatt Online. Der Firmenname ist Programm: Fairphone.

Der wichtigste Grund für das schmutzige Geheimnis der Hersteller liegt in der Komplexität des Produktes. In Smartphones stecken bis zu 30 verschiedene Metalle, von Gold über Platin bis Zinn. Ein beträchtlicher Teil der Materialien stammt aus Afrika. „Die Rohstoffe werden oft unter problematischen Bedingungen gewonnen“, sagt Johanna Kusch vom Verein Germanwatch, der sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzt.

So müssten Kinder in den Minen schuften, auf den Schutz der Arbeiter werde wenig Wert gelegt, und in Bürgerkriegsregionen finanzierten nicht selten Warlord ihre Waffen mit dem Verkauf der wertvollen Erze. Die Dokumentation „Blood in the Mobile“ aus dem Jahr 2010 zeigt das am Beispiel des Kongo eindringlich (Filmausschnitte bei Arte).

Auch in den Fabriken – ein Großteil in Asien – sind die Arbeitsbedingungen fragwürdig: „Die Arbeiter verdienen wenig, stehen unter hohem Druck und müssen viele Überstunden machen“, sagt Kusch, die im Rahmen des europäischen Projekts Make IT Fair im Austausch mit Menschenrechtsvereinen in Asien steht. Die Selbstmorde beim Auftragsfertiger Foxconn, der auch für Apple produziert, zeugen davon. Auch um Sicherheit und Gesundheitsschutz ist es oft nicht gut bestellt. In den letzten Jahren habe es zwar Verbesserungen gegeben, weiß Kusch. Aber: „Die typischen Probleme bestehen weiter.“

Fairphone will Apple, Samsung und Co demonstrieren, dass es auch anders geht. „Die einzige Möglichkeit, das System zu verändern, besteht darin, ein Teil davon zu werden“, sagt van Abel. „Wir nutzen den Profit, um ökonomisch nachhaltig zu sein und einen Systemwandel zu ermöglichen.“

Ein kühnes Vorhaben.

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Warum es kein faires Handy gibt

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„Niemand versteht die Lieferkette komplett“

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  • Falsch, funktioniert eben nicht!
    Oder wollen sie das Geld mit dem Hubschrauber abwerfen?
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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    Ein spannendes Buch über die Lage im Kongo, seine natürlichen Reichtümer und deren Ausbeutung durch die westliche Welt. Ein faszinierender Polit-Thriller.

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