Globalfoundries Neuer Schub für Dresdner Chipwerk

Europas größte Halbleiterfabrik in Dresden soll kräftig wachsen. Betreiber Globalfoundries setzt dabei auf Aufträge der Autoindustrie. Das Unternehmen kämpft jedoch mit einem schier übermächtigen Wettbewerber.
Kommentieren
Die Mitarbeiter fertigen bislang vor allem Mobilfunkchips. Das Management sieht große Chancen in der Autobranche und dem Internet der Dinge. Quelle: dpa
Reinraum von Globalfoundries in Dresden

Die Mitarbeiter fertigen bislang vor allem Mobilfunkchips. Das Management sieht große Chancen in der Autobranche und dem Internet der Dinge.

(Foto: dpa)

MünchenSeit fast zwei Jahrzehnten produzieren sie in Dresden bereits in großem Stil Halbleiter. Rutger Wijburg ist trotzdem überzeug, dass die Chipfabrik von Globalfoundries ihre besten Zeiten erst noch vor sich hat. Denn bislang fertigen die 3500 Mitarbeiter vor allem Bauteile für Smartphones. Künftig kämen jedoch ganz neue Kunden dazu.

„Die Autohersteller schauen unsere Fabrik schon an“, sagte der Werkschef vor Journalisten in München. Zudem könnten auch Halbleiter fürs sogenannte Internet der Dinge an der Elbe entstehen, also für die Vernetzung von Milliarden unterschiedlichster Geräte.

Derzeit durchlaufen jedes Jahr rund 650.000 sogenannte Wafer die Fabrik. Wafer sind die Scheiben, auf denen die Halbleiter entstehen. Manager Wijburg geht davon aus, dass es in ein paar Jahren eine Million sein werden.

Globalfoundries verkauft die Chips aber nicht unter eigenem Namen. Der Konzern sammelt Aufträge anderer Chiphersteller ein, die sich keine eigene Fertigung leisten können oder wollen. Allerdings möchte das Unternehmen künftig nicht mehr nur Bestellungen abarbeiten. Die Ingenieure des Unternehmens bauen Zug um Zug eigenes Know-how auf, entwickeln Software und Design-Vorlagen, mit denen die Auftraggeber dann ihre eigenen Wünsche verwirklichen können.

Die Kunden würden zwar auch künftig andere Chipfirmen sein, erläuterte Europa-Verkaufschef Juan Cordovez. Aber inzwischen unterhalte Globalfoundries auch enge Kontakte zu den Herstellern am Ende der Wertschöpfungskette, etwa den Autoherstellern.

Das Dresdner Chipwerk von Globalfoundries hat eine wechselvolle Geschichte. Es entstand Ende der 90er-Jahre als Fertigungsstätte des amerikanischen Halbleiterherstellers AMD. Die Kalifornier investierten mehrere Milliarden Euro in Sachsen, kassierten aber auch Hunderte Millionen an Subventionen.

Im Wettbewerb mit Weltmarktführer Intel tat sich AMD aber zunehmend schwer. Damals produzierten sie vor allem Prozessoren für PCs und Notebooks, die Gehirne eines jeden Rechners. So entschloss sich das börsennotierte Unternehmen 2008, seine Werke zu verkaufen. Seither gehört der Standort dem Emirat Abu Dhabi. Die Araber haben mit Globalfoundries einen weltweit tätigen Auftragsfertiger geschaffen. Insgesamt haben die Eigentümer Firmenangaben zufolge bislang rund zehn Milliarden Euro in Dresden investiert.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Die Nähe zu europäischen Kunden soll genutzt werden
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Globalfoundries - Neuer Schub für Dresdner Chipwerk

0 Kommentare zu "Globalfoundries: Neuer Schub für Dresdner Chipwerk"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%