Gmarket
Ebay kauft Online-Händler in Südkorea

Der Internet-Marktplatz Ebay will den südkoranischen Online-Händler Gmarket kaufen. Die Übernahme, mit der Ebay zum Marktführer in dem weltweit sechstgrößten E-Commerce-Markt aufsteigen würde, will sich der US-Konzern bis zu 1,2 Mrd. Dollar (910 Mio. Euro) kosten lassen. Rund 67 Prozent der Gmarket-Anteile hat sich Ebay bereits gesichert, wie der Konzern in Seoul mitteilte.

TOKIO. Das US-Internetauktionshaus Ebay kauft Koreas größte Online-Handelsplattform Gmarket. Der Kaufpreis liege bei rund 1,2 Mrd. Dollar, teilten die Unternehmen gestern mit. „Die Verbindung von Gmarket und IAC schafft eine starke Führungsposition für Ebay in einem der größten, dynamischsten und innovativsten Onlinemärkte der Welt“, sagte Ebay-Präsident John Donahoe. In Korea tritt Ebay bisher unter dem Namen Internet Auction Company (IAC) an.

In Asien ist das weltweit größte Onlineauktionshaus in Indien, China und Taiwan vertreten. Gmarket setzte 2008 in Korea Waren im Wert von 3,2 Mrd. Dollar um, für Ebay liegt der Wert bei etwa 2,2 Mrd. Dollar. Korea ist der weltweit sechstgrößte Markt für Internethandel nach den USA, Deutschland, Großbritannien, China und Japan. Der Umsatz von Gmarket stieg im vergangenen trotz Krise etwa um ein Viertel. Ebay will den Kauf möglichst noch innerhalb der kommenden zwei Monate durchziehen.

Auch Gmarket befürwortet das Geschäft. „Diese Transaktion eröffnet uns die Chance zu einer neuen Wachstumsphase außerhalb Koreas“, sagt Firmenpräsident Young Bae-Ku. Gmarket bietet seit 1999 in Korea Online-Auktionen und Versandhandel an. Wie bei Ebay können auch Profi-Händler die Plattform nutzen. In Korea gesellen sich sogar Originalhersteller wie Samsung dazu. Auch Reisen oder Finanzdienstleistungen gehören zum Angebot. Korea ist mit einer Internetreichweite von 71 Prozent eines der Länder mit der höchsten Vernetzung. Für Deutschland liegt der entsprechende Wert laut Internet World Stats bei etwa 68 Prozent.

Die beiden Websites sollen unter getrennten Adressen erhalten bleiben. Benutzer sollen ihre Angebote jedoch automatisch auf beiden Plattformen einstellen können. Der Zusammenschluss könnte es koreanischen Versteigerern einfacher als bisher ermöglichen, ihre Waren weltweit feilzubieten.

Die koreanischen Nutzer bringen Gmarket mit dem Verkauf von Waren wie Trödel oder modischer Kleidung in Verbindung, während sie bei der Ebay-Tochter IAC eher an Elektronik denken. Die Websites haben entsprechend unterschiedliche Kunden. Gmarket spricht vor allem Nutzerinnen zwischen 20 und 29 Jahren an. Für IAC liegt der Schwerpunkt bei männlichen Nutzern über 30 Jahren. Die Unternehmen hoffen daher, sich von der Zielgruppe her zu ergänzen, statt sich gegenseitig das Wasser abzugraben.

Ebay wird 24 Dollar pro Gmarket-Aktie bieten, etwa ein Fünftel mehr als den gestrigen Schlusskurs. Bereits jetzt sind den Amerikanern wegen Vorverträgen 67 Prozent an dem koreanischen Marktführer sicher. Ein entsprechender Teil der Aktionäre haben sich bereit erklärt, ihre Aktien an Ebay abzugeben, darunter Firmengründer Ki Hyung-Lee, der allein 34 Prozent hält. Gmarket wird zugleich neue Aktien ausgeben. „Ebay hielt das Geschäftsmodell von Gmarket für aussichtsreich und hofft, seine Erfahrungen dort auch auf anderen asiatischen Märkten nutzen zu können“, sagte Analyst Kim Chang-Kwean der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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