GMX und Web.de verschlüsseln Mails
Ade, elektronische Postkarte!

GMX und Web.de führen durchgehende PGP-Verschlüsselung für E-Mails ein. Mehr als 30 Millionen Kunden können nun ihre Mails sicher versenden. Das könnte der Anfang vom Ende der elektronischen Postkartengesellschaft sein.
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DüsseldorfDer amerikanische Late-Night-Komiker John Oliver trifft sich in Moskau mit Edward Snowden. Die Situation erscheint schräg: Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter, der eine mit seinen Enthüllungen die Spionageaffäre um den US-Geheimdienst NSA losgetreten hat, die immer wieder die politische Diskussion dominiert, der mittlerweile als politischer Asylant im Russland lebt, hat sich Zeit genommen für einen US-Komiker.

Und so richtig sicher, ob es tatsächlich eine gute Idee war, scheint Snowden zunächst auch nicht zu sein. Oliver spricht – über seinen Penis. Doch der Late-Night-Talker hat eine Mission: Er will die Ausmaße der Spionage so deutlich erklärt haben, dass es alle verstehen. Und stellt die Frage, ob jemand Fotos seines Genitals sehen könnten, wenn er diese per Email verschickt. Snowdens Antwort: Ja.

Bei der Frage, wie einsehbar Emails sind, wird oft das Bild der Postkarte bemüht. Jeder, der sie in die Finger bekommt, kann sie lesen. Wer das nicht möchte, muss seine elektronische Post verschlüsseln. Doch das ist nicht so einfach. Programme wie PGP (Pretty Good Privacy) schützen zwar den Inhalt von E-Mails vor neugierigen Blicken, auch Edward Snowden hält sie für eine wirksame Methode. Nur: Praktisch sind sie nicht.

„Bisher brauchte man rund 25 Minuten, um eine PGP-Verschlüsselung einzurichten. Die meisten Nutzer gaben jedoch nach zehn Minuten auf, weil es keine Bedienungsanleitung dafür gibt“, sagt der Chef von GMX und Web.de, Jan Oetjen. Deswegen hat größte deutsche E-Mail-Anbieter mit mehr als 30 Millionen Nutzern eine einfachere Benutzeroberfläche entwickelt, mit der die Kunden in vier Schritten ihre Post verschlüsselt verschicken können. Allerdings funktioniert dies technisch nur zwischen Personen, die beide PGP-Verschlüsselung nutzen.

Warum hat es so lange gedauert hat, eine praktischere Lösung für zu entwickeln, versteht Oetjen selbst nicht ganz. Zwar gibt es technische Herausforderungen: „Das größte Problem bei der Email-Verschlüsselung ist der Austausch und die Erkennung der Schlüssel“, sagt er. Doch: „Mittlerweile kann man mit Smartphones seine Kaffeemaschine zu Hause einschalten, aber es hat sich beim Thema Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht viel getan.“ Er hat lange geglaubt, dass die Gerätehersteller dies in die Hand nehmen. Doch dem war nicht so.

Ein Grund dafür ist wahrscheinlich auch die schwierige politische Stimmung. Denn zum einen soll die Privatsphäre der Internetnutzer geschützt werden, doch macht die Verschlüsselung eben auch deren Überwachung schwieriger. Zuletzt hieß es über den britischen Premierminister David Cameron etwa, dass er Verschlüsselung verbieten wolle. Dieser Einschätzung widersprach ein Sprecher.

Gegenüber der britischen Aussage des Techmagazins Wired erklärte der Dozent der Universität Kent, Eerke Boiten, es sei in der Tat niemals Camerons Plan gewesen, Verschlüsselung zu verbieten. „Was er immer wollte war Zugang zur Kommunikation aller Menschen zu haben, ohne zu fragen.“

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