„Going Private“
Familie Dolan hat genug von der Börse

Eigner wollen das New Yorker Unterhaltungs-Imperium Cablevision für 19,2 Mrd. Dollar zurückkaufen.

ebe NEW YORK. Eine der einflussreichsten New Yorker Unternehmerfamilien will das von ihr kontrollierte Entertainment-Unternehmen Cablevision von der Börse nehmen. Firmengründer Charles F. Dolan (79) und Sohn James Dolan, zu deren Unterhaltungsimperium auch der Madison Square Garden, die Radio City Music Hall sowie die bekannten Sport-Teams New York Knicks (Basketball) und New York Rangers (Eishockey) gehören, bieten freien Aktionären 27 Dollar je Anteilsschein an. Das entspricht einem Aufschlag von 13 Prozent gegenüber dem Vorwochen-Schlusskurs und bewertet die gesamte Firma mit 7,9 Mrd. Dollar.

Darüber hinaus würde die Dolan-Familie Cablevision-Schulden in Höhe von 11,3 Mrd. Dollar übernehmen. Der zunehmend intensive Wettbewerb in der Medienbranche erfordere eine „langfristige unternehmerische Perspektive“, die nicht länger durch die kurzfristige Sichtweise der Börse eingeschränkt werden solle, teilten die Dolans in einer Pressereklärung mit.

Der neuerliche Milliardendeal unterstreicht eine Trend-Strategie, mit der sich immer mehr familienkontrollierte Firmen den Erfordernissen des Finanzmarktes entziehen. Im Juli 2006 wurde bereits der größte US-Krankenhausbetreiber HCA für 33 Mrd. Dollar von der Börse genommen und einem Konsortium um den Mehrheitsführer im US-Senat, Ex-Herzchirurg Bill Frist, zugeschlagen. Wenige Wochen später ging der Pipeline-Spezialist Kinder Morgan Energy Partners für 15Mrd. Dollar an eine Gruppe um den Firmengründer Richard D. Kinder.

Das so genannte Going Private ist auch deshalb in Mode gekommen, weil die Wall Street derzeit scheinbar problemlos Milliarden zur Finanzierung dieser Deals bereitstellt. Die Familie Dolan etwa, die 22,5 Prozent der Cablevision-Aktien und 74 Prozent der Stimmrechte hält, kann zur Übernahme ihre eigenen Aktien im Wert von rund 1,7 Mrd. Dollar einsetzen. Der große Rest soll über die Investmenthäuser Merrill Lynch und Bear Stearns bereitgestellt werden. Die Familie habe von den Banken ein entsprechendes Bekenntnis zur Finanzierung vorliegen, hieß es in einer Mitteilung.

Vater und Sohn Dolan, die als Chairman und Vorstandschef von Cablevision fungieren, hatten bereits vor eineinhalb Jahren vergeblich eine Aufspaltung der Gesellschaft in zwei Firmen betrieben. Sie wollten damals lediglich die Kabel-Sparte kaufen und sich vom Rest des Unterhaltungs-Portfolios trennen. Die Firma ist weitgehend im Großraum New York aktiv und bündelt ihre Dienste für Kabelfernsehen, Telefonie und Internet zu einem so genannten Triple-Play-Angebot, das derzeit 90 Dollar pro Monat kostet. Mit dieser Strategie hat der Kabel-TV-Betreiber eigenen Angaben zufolge bereits fünf Millionen Haushalte für sein Telefonie-Angebot gewonnen. Cablevision hat im ersten Halbjahr 2,8 Mrd. Dollar umgesetzt und dabei einen Verlust von 43,4 Mill. Dollar ausgewiesen.

Zwar gilt die Kabelnetz-Sparte von Cablevision als lukratives Übernahmeziel für Medien-Riesen wie Time Warner. Die Unternehmerfamilie Dolan hat aber deutlich gemacht, dass sie den wertvollsten Teil ihres Imperiums nicht zum Verkauf stellen werde. Cablevision ist kürzlich durch eine kuriose Rückdatierung von Aktienoptionen in die Schlagzeilen geraten. Medienberichten zufolge wurden die rückdatierten Optionen Vice-Chairman Marc Lustgarten gewährt – zu einem Zeitpunkt, als dieser bereits tot war.

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