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08.04.2008 

Die Deutschen gehen international in die Offensive. An Geld mangelt es derzeit nicht. „Wir wollen weiter verstärkt in die Produktionen investieren“, sagt Pro-Sieben-Manager Richter. Für Teamworx, Filmtochter des Bertelsmann-Konzerns, sind heute selbst große Etats von 14 Mill. Euro wie der für das Weltkriegsdrama „Die Flucht“ zu stemmen.

Das Geschäft mit den internationalen Rechten ist ebenfalls lukrativ. „Die Weltvertriebsrechte für Ein- bis Zweiteiler liegen zwischen 400 000 und 800 000 Euro“, berichtet ein Produzent; hinzu kämen nochmals bis zu 200 000 Euro für die DVD-Rechte. Bei einem aufwendigen Fernsehfilm kommen nach Angaben von Marktteilnehmern mittlerweile rund zehn Prozent der Einnahmen aus den Auslandsverkäufen und der DVD. Auch Rechtehändler Richter bestätigt: „Unsere Umsätze steigen kontinuierlich“. Zahlen will die Sendergruppe Pro Sieben indes nicht vorlegen.

Mit der internationalen Verwertung ihrer Filme werden die Produzenten erfindungsreicher. So wird die zehn Mill. Euro teure Verfilmung des Bestsellers „Das Dschungelkind – Vom Mädchen, das aus der Steinzeit kam“ von Sabine Kuegler zunächst im Kino und erst danach im Fernsehen gezeigt. RTL habe für die Teamworx-Produktion bereits den Vertrag unterschrieben, berichten Beteiligte. Der Optimismus bei der Bertelsmann-Tochter ist groß. „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Dschungelkind die Grenze von einer Million Zuschauer im Kino schaffen“, glaubt Produzent Hofmann.

Das Kino in Deutschland erlebte im ersten Quartal 2008 eine unerwartete Renaissance. Im Vergleich zum schwachen Vorjahr erzielten die gebeutelten Filmtheater hierzulande nach Angaben der Marktforschung Nielsen ein Umsatzplus von 30 Prozent. Allein die Komödie „Keinohrhasen“ mit Til Schweiger in der Hauptrolle spielte mit knapp sechs Mill. Zuschauern rund 38 Mill. Euro ein.

2007 war noch ein miserables Jahr für die Branche. Der Kinoumsatz in Deutschland brach nach Angaben der Filmförderanstalt kräftig von 814 Mill. Euro im Vorjahr auf 767 Mill. Euro ein. Die Zahl der Kinobesucher fiel 2007 mit 125 Millionen Zuschauern auf einen Tiefpunkt.


Wichtiges Stimmungsbarometer

Basar

Die Mip-TV in Cannes ist die größte und wichtigste Messe der Film- und Fernsehbranche in Europa. In Südfrankreich treffen sich jedes Jahr Produzenten, Senderchefs, Rechtehändler, aber auch Handyhersteller und Internetfirmen für eine Woche. Auf der Messe, die als wichtiges Stimmungsbarometer gilt, werden umfangreiche Programmeinkäufe verhandelt und verkündet. Die Deutschen spielen neben den Amerikanern und Briten die Hauptrolle.

Geldquelle

Die Verwertung von Film- und Fernsehrechten außerhalb des jeweiligen Heimatmarktes ist für die Produzenten eine wichtige Geldquelle. Rund zehn Prozent der Produktionskosten werden über den Verkauf von Rechten ins Ausland erzielt. Die Preise schwanken stark je nach Film und Land. Bei einem teuren Zweiteiler kann es auch eine halbe Million Euro sein.

Hürde

Die deutsche Sprache ist für den englischsprachigen Markt ein großes Hindernis. In Großbritannien oder den USA laufen synchronisierte oder untertitelte Filme und Serien schlecht. Daher setzten deutsche Produzenten ihre Filme bisher vor allem in Kontinentaleuropa und in Asien ab. Aufwendige Produktionen werden mit Blick auf die Refinanzierung vermehrt auf Englisch gedreht.

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