Goodgame Studios vs. Zalando
Es geht auch ohne Börsengang

Internetfirmen wie Rocket Internet und Zalando sammeln an der Börse Geld für die Expansion. Doch es geht auch ohne: Der Hamburger Spielehersteller Goodgame Studios wächst rasant – und zwar aus eigener Kraft.
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DüsseldorfRocket Internet und Zalando haben in der vergangenen Woche an der Börse viel Kapital eingesammelt, um ihr aggressives Wachstum zu finanzieren – die von den Samwer-Brüdern aufgebauten Unternehmen verdienen selbst bislang nur sporadisch Geld. Sie folgen dem Credo des Silicon Valley: erst groß werden, dann profitabel.

Doch es gibt Start-ups, die das gleichzeitig tun: profitabel werden und wachsen. Zum Beispiel Goodgame Studios. Der Hamburger Spieleentwickler erlöste im ersten Halbjahr 98 Millionen Euro und damit fast so viel wie im gesamten Vorjahr. Anfang Oktober begann der 1000. Mitarbeiter, weitere 240 Stellen sind derzeit ausgeschrieben (wenn auch oft zu unterdurchschnittlichen Gehältern, wie man in der Branche hört). Trotz der rasanten Expansion macht die Firma Gewinn. So verwundert es nicht, dass auch Selbstbewusstsein zugelegt hat: In wenigen Jahren will die Firma zu den ganz Großen der Branche aufschließen. Ein mutiger, aber auch riskanter Plan.

Die Brüder Kai und Christian Wawrzinek, ausgebildet in Juristerei und Zahnmedizin, gründeten das Unternehmen und später die Marke mit eigenem Geld (siehe Info-Kasten). Als erstes brachten sie 2009 ein Pokerspiel auf den Markt. Als diese bald schon eine Million Nutzer anlockte, folgten schnell weitere Titel.

Das rasante Wachstum stemmten die Gründer fast vollständig aus eigenen Mitteln. Ohne Risikokapitalgeber sei es „von vornherein wichtig“ gewesen, kostendeckend zu arbeiten, sagt Kai Wawrzinek im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir sind nur so schnell gewachsen, wie es die Liquidität zugelassen hat.“ Heute schreibe die Firma Gewinne. „Die starke Profitabilität macht uns stolz“, betont der Gründer.

Die Wawrzinek-Brüder vermarkten ihre Computerspiele mit einem Geschäftsmodell, das derzeit die Branche umkrempelt: Ihr Unternehmen bietet „Empire“, „Big Farm“ und sieben weitere Titel kostenlos übers Internet an. Es kassiert aber für Extras. Wer etwa in der Aufbausimulation „Shadow Kings“ schneller Kasernen oder Steinbrüche errichten will, kann mit echtem Geld virtuelle Diamanten kaufen und diese gegen Baumaterialien eintauschen. Dieses Geschäftsmodell bezeichnet die Branche etwas irreführend als „free to play“.

Auch wenn nur jeder Zehnte Geld ausgibt, kann das funktionieren – zumindest sofern genug Leute spielen. Um die Reichweite zu steigern, bietet Goodgame Studios seine Spiele in diversen Sprachen an, unter anderem auf Türkisch, Chinesisch und Englisch. Zudem investiert das Unternehmen massiv in Werbung. Ob TV, Suchmaschine oder Facebook: Bei jeder Kampagne wird genau gemessen, wie erfolgreich sie ist. „Das ist ein Herzstück des Geschäftsmodells“, sagt Kai Wawrzinek.

Die Goodgame-Spiele mit ihrer Comicgrafik sprechen bislang vor allem Gelegenheitsspieler an. Um weiter zu wachsen, will das Unternehmen künftig auch Spielefans erreichen, die sogenannten Core Gamer, die auch ohne weiteres 60 oder 70 Euro für ein neues Spiel ausgeben. Rund 30 Mitarbeiter plus Grafiker entwickeln derzeit Prototypen. „Es gibt bislang kaum Free-to-play-Spiele für Core Gamer – das ist aber ein wahnsinnig spannender Markt.“

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Kommentare zu " Goodgame Studios vs. Zalando: Es geht auch ohne Börsengang"

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  • Die Samwers wollen ja auch nur möglichst schnell Geld machen und sind nicht wirklich an den Firmen interessiert. Starke Firmen entstehen durch organisches natürliches Wachstum. Das geht aber eben nur langsam und von innen heraus.

  • Guter Artikel, weiter so.

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