„Google Books“
Google präsentiert neue Vereinbarung

Google und die US-Verleger haben eine abgemilderte Version der umstrittenen Vereinbarung für die Bereitstellung von digitalisierten Büchern im Internet vorgelegt. Damit kommen beide Seiten scharfer Kritik aus Europa entgegen. Die Vereinbarung ist aber noch nicht in trockenen Tüchern.
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HB NEW YORK/HAMBURG. Nach monatelangen Verhandlungen verständigten sich beide Seiten darauf, den Geltungsbereich der Vereinbarung auf Bücher zu beschränken, die urheberrechtlich in den USA, Kanada, Großbritannien oder Australien registriert sind. Damit wären mehr als 95 Prozent der Bücher, die in Deutschland oder anderen Ländern außerhalb dieses Geltungsbereiches verlegt wurden, nicht mehr Bestandteil des „Google Book Settlements“.

Außerdem soll Google-Konkurrenten wie Amazon oder Microsoft der Zugang zu eingescannten Büchern erleichtert werden. Über den Vorschlag muss nun ein New Yorker Richter entscheiden.

Google will mehrere Mio. Bücher aus Universitäten und Büchereien einscannen und ins Netz stellen. Im ersten Abkommen zu „Google Books“ hatte sich der Suchmaschinen-Gigant verpflichtet, 125 Mio. Dollar für diese Online-Buchauswertung zu zahlen. An dem finanziellen Rahmen soll sich auch in der neuen Version nichts ändern.

Mit der neuen Vereinbarung reagieren Google, die amerikanischen Autoren und die US-Verleger auf scharfe Kritik aus Europa an der ersten Buch-Vereinbarung. So hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen den Bücher-Deal ausgesprochen: „Für die Bundesregierung ist klar: Das Urheberrecht muss auch im Internet seinen Platz finden. Deshalb lehnen wir es ab, dass ohne jeden urheberrechtlichen Schutz die Bücher einfach eingescannt werden, wie dies von Google gemacht wird“, sagte sie vor fünf Wochen in ihrem Video-Podcast. „Mit der neuen Vereinbarung gehen wir auf diese Kritik ein“, sagte Dan Clancy, der bei Google für das Projekt verantwortlich ist.

Auch in der europäischen Buchbranche war das „Google Book Settlement“ zum Teil scharf attackiert worden. Der Deal war jedoch auch im US-Justizministerium auf Einwände gestoßen. Besonders umstritten ist der Umgang mit „verwaisten Büchern“, also Titeln, die vergriffen sind, aber dennoch dem Urheberschutz unterliegen, ohne dass ein Kontakt zum Autor hergestellt werden kann. Die Erlöse aus dem Verkauf der digitalen Ausgaben dieser Titel sollen nun zehn Jahre lang eingefroren werden. In dieser Zeit können Rechte-Inhaber künftig ihre Ansprüche geltend machen.

Richard Sarnoff, Co-Chairman der amerikanischen Bertelsmann Inc. betonte für die US-Verlegerorganisation „Association of American Publishers“, die Einigung mit Google stelle nicht die Vision der Verlage für die digitale Zukunft der lieferbaren Bücher („in-print“) da. „Wir erproben hier robuste Geschäftsmodelle, bei der E-Books wie der Amazon Kindle und der Nook von Barnes & Noble oder Geräte wie das iPhone von Apple eine Rolle spielen“, sagte Sarnoff in einer Telefonkonferenz. Für die Erschließung der vergriffenen Titel sei die Einigung allerdings bedeutend.

„Wir sind enttäuscht, dass wir nicht den Zugang auf möglichst viele Bücher aus möglichst vielen Ländern ermöglichen können“, schrieb Dan Clancy, der bei Google für das Projekt verantwortlich ist, in einem Blog-Eintrag. Google wolle aber mit den Rechte-Inhabern aus aller Welt zusammenarbeiten, um der Vision von einem besseren Zugriff auf alle Bücher der Welt näher zu kommen. In den europäischen Ländern würden Gespräche mit den Rechteinhabern bald beginnen.

Bislang hat Google etwa sechs Millionen vergriffene Bücher eingescannt und teilweise online zugänglich gemacht.

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  • Warum soll Google eigentlich nicht die verwaisten bücher einscannen? Das sind nach meinen informationen ca. 75% aller bücher! Google oder ein anderer Anbieter könnten so dafür sorgen, daß diese bücher auch in Zukunft noch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.
    in Wirklichkeit geht es doch gar nicht um die Entlohnung der Autoren, sondern vielmehr um die Macht der Verlage und deren antiquiertes Geschäftsmodell. Meiner Meinung nach sollte man einen Fond schaffen, in den Google und die anderen Anbieter für jedes gescannte buch eine Vergütung einzahlen, die der eines bekannten Autors entspricht, eine Art Kultursteuer. Als Gegenzug werden die bücher dann allen zugänglich gemacht.
    Wir müssen in immer mehr darauf achten, daß Wissen nicht priveligiert wird, z.b. durch hohe Einstiegshürden für bücher oder Zeitschriften. Für einen US-Amerikaner oder einen Europäer ist es kein großes Problem, sich eine teure Fachzeitschrift für sagen wir mal 500,-EUR pro Jahr zu leisten. Für ein Entwicklungsland bedeuten diese 500,-EUR aber, daß sie sich diese Zeitschrift eben nicht leisten können, sie ist zu teuer. Daher ist freier Zugang zu Wissen einfach unumgänglich.

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