Google-Deal
Intel geht fremd

In der IT-Branche steht ein Zeitenwechsel an. Intel intensiviert seine Zusammenarbeit mit Google - und wird auf Sicht sein Microsoft-Engagement herunterfahren. "Wintel" dürfte damit bald der Geschichte angehören.

München, FrankfurtNur die Paranoiden überleben", hat Andrew S. Grove sein legendäres, 1996 erschienenes Buch überschrieben. Die Botschaft des Mitgründers und langjährigen Chefs von Intel: Nur wer ständig auf der Hut ist, kann Bedrohungen rechtzeitig erkennen und entsprechend reagieren. Denn es sei nur eine Frage der Zeit, wann sich im Geschäftsleben etwas Gravierendes ändern werde.

Sein Nachfolger an der Spitze des größten Halbleiterherstellers der Welt, Paul Otellini, kennt das Werk gut, ist es doch längst die Bibel der Intel-Manager geworden. Vielleicht ahnt er deshalb, dass sein Unternehmen nun an einem solchen Wendepunkt angekommen ist. Am späten Dienstagabend kündigte Otellini jedenfalls eine enge Partnerschaft mit dem Internetriesen Google an. Dessen Betriebssystem Android, entwickelt für mobile Geräte wie Smartphones oder die handlichen Tablet-Rechner, soll künftig auch auf Intel-Chips laufen.

Otellini sagt sich damit endgültig los vom langjährigen Partner Microsoft. Über viele Jahre hatte das "Wintel" genannte Gespann die PC-Branche dominiert. Wann immer Intel einen neuen Prozessor auf den Markt brachte, sorgte der weltweit führende Softwarehersteller Microsoft mit seiner Software dafür, dass der schnell an seine Grenzen stieß, und ein noch stärkerer Chip hermusste. So scheffelten die beiden Konzerne viele Milliarden. Eingefädelt hatten die Liaison einst Intel-Übervater Grove und Microsoft-Gründer Bill Gates.

Doch die alten Allianzen haben sich überholt. Partnerschaften, die den Beteiligten über Jahrzehnte Umsatz und Gewinn sicherten, sind jetzt zum Auslaufmodell geworden. Intel und Microsoft wurde zum Verhängnis, dass die Kunden statt eines PCs oder Notebooks immer öfter zu Smartphone oder Tablet-Rechner greifen. Das nutzen aufstrebende Firmen, um ins Geschäft zu kommen. Denn gemeinsam haben es die beiden Partner bis heute nicht geschafft, den Markt zu erobern.

Gemeinsam blieben sie erfolglos

So ist es denn kein Zufall, dass auch Microsoft neue Kooperationen eingeht. Fast zeitgleich mit Otellini teilte der US-Konzern mit, dass sein neues Betriebssystem Windows 8 künftig auch mit den Prozessoren von ARM laufen soll. ARM ist der härteste Widersacher von Intel im Geschäft mit Mobilfunkchips. Die Briten produzieren die elektronischen Bauteile zwar nicht selbst, sondern vergeben lediglich Lizenzen für ihre Technik und kassieren dafür Gebühren. Doch das Geschäft läuft glänzend, wächst stark und ist hochprofitabel. Im zweiten Quartal spielte die börsennotierte Firma bei einem Umsatz von 190 Millionen Dollar einen Gewinn von 45 Millionen Dollar ein

Haben die großen IT-Konzerne früher zum Teil über Jahrzehnte zusammengearbeitet, so wechseln sie ihre Allianzen jetzt immer öfter. Bevor Intel mit Google unter eine Decke schlüpfte, hatten sich die Kalifornier schon einmal mit dem Handyhersteller Nokia verbündet. Gemeinsam wollten sie ein neues Betriebssystem für die mobile Welt schaffen. Doch das ambitionierte Vorhaben ist nie so richtig in die Gänge gekommen. Nokia hat deshalb bereits vor einigen Monaten angekündigt, künftig die Software von Microsoft einzusetzen.

Überall nehmen die Berührungsängste ab. So setzt Apple in seinen Computern inzwischen wie selbstverständlich Intel-Prozessoren ein. Jahrelang war das wegen der engen Verbindung zwischen Intel und dem Apple-Rivalen Microsoft undenkbar. Dell wiederum hatte lange einzig und allein Intel-Chips in seine Rechner eingebaut, verwendet inzwischen aber auch die Bauteile von AMD.

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