Google, Facebook, Amazon
Die neuen Monopolisten

An Google, Facebook und Amazon kommt niemand vorbei. Die Dienste der Konzerne sind so beliebt wie nie – trotz allgemeinem Unbehagen wegen deren Umgang mit Nutzerdaten. Warum wehren wir uns nicht? Eine Spurensuche.
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DüsseldorfMittwochmorgen, vier Minuten nach acht. Lisa-Maria Röhling rührt in ihrem Früchtemüsli. Wie jeden Morgen beginnt ihr Tag mit Facebook. Eine Freundin hat ihr geschrieben, sie beantwortet die Nachricht. Greift zu ihrer Kaffeetasse. Überfliegt die Liste der neuen Meldungen. Ein Text hier, ein Video dort: Facebook zeichnet jeden Klick der 24-jährigen Geschichtsstudentin auf. Das soziale Netzwerk formt ihr daraus personalisierte Anzeigen.

Der selbe Tag, ein paar Stunden später. Fabian Geuther sitzt in der Uni-Bibliothek vor seinem Laptop. Demnächst wird der 21-Jährige für ein Praktikum nach Hongkong gehen, im Internet informiert er sich jetzt über die Formalitäten. Er gibt seine Suchanfrage bei Google ein, wenige Klicks später hat er eine hilfreiche Seite gefunden. Der Suchmaschinen-Marktführer wertet alle seine Anfragen aus. So lange Fabian eingeloggt ist, werden sie ihm zugeordnet und seine Ergebnisse speziell auf ihn zugeschnitten.

Am Abend dieses Mittwochs kehrt Victoria von Hammerstein von ihrer Praktikumsstelle zurück. Auf dem Regal im Flur ihrer WG liegt ein flaches Amazon-Paket. Bestellt hatte sie die neue Platte von Fritz Kalkbrenner zwei Tage zuvor, versandkostenfrei. Den Kauf und was sie sich währenddessen noch angesehen hat, hat Amazon sich gemerkt.

Drei Situationen, drei aufgeklärte junge Menschen, ein Widerspruch: Sie sind nicht zufrieden damit, wie die großen Internetfirmen mit ihren Daten umgehen – und doch hören sie nicht auf, ihre Dienste zu nutzen. „Egal wie negativ Facebook gesehen wird, es hat einfach einen riesigen Mehrwert für die Kommunikation“, rechtfertigt sich Lisa-Maria. „Ich möchte ja schon die beste Suchmaschine verwenden“, erklärt Fabian. Und Victoria sagt: „Ich habe keine Ausrede. Amazon ist einfach am billigsten.“

Lisa-Maria, Fabian und Victoria stehen mit ihrem Verhalten keineswegs allein. Für die Studie „Toleranz Online 2014“ befragte der Jugendforscher Simon Schnetzer im vergangenen Jahr 872 junge Menschen zwischen 14 und 34 Jahren nach ihren Einstellungen zum Internet. Er bringt seine Erfahrungen auf eine einfache Formel: „Das Bewusstsein ist da, doch die Bequemlichkeit siegt.“ Viele der Interviewten sagten, sie würden wegen ihrer Bedenken gerne auf die Nutzung der Internetriesen verzichten. Nach Taten gefragt, käme aber stets ein „Ich benutze es trotzdem“, erzählt Schnetzer.

Kommentare zu " Google, Facebook, Amazon: Die neuen Monopolisten"

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  • Warum sind Amazon und Co. so erfolgreich? Weil sie einfach besser sind als die europäische Konkurrenz! Man muss nur Amazon mit den Onlineportalen der deutschen Buchhändler vergleichen. Da liegen Welten dazwischen. Dazu kommt, dass mein Buchhändler um die Ecke nur Bücher verkauft, die es durch die rot-grüne Zensur geschafften, finde ich bei Amazon auch Werke intelligente Querdenker.

    Aber der Erfolg stört natürlich die Alteingesessenen. Deshalb verfahren unsere Medien nach dem üblichen Schema: Diffamiere die ungeliebte Konkurrenz.

  • @hafnersp:
    „Solche Monopolbildung aufgrund unglaublicher Erfolgsgeschichten deuten immer auf eine unendliche Finanzierungsquelle und Beziehungen im Hintergrund hin (mit der man auf Dauer jede Konkurrenz ausschalten kann“ schreiben Sie

    Meinen Sie damit, dass, die amerikanische Politik Microsoft, Google & Co. sozusagen bei irgendwem(??!) in Auftrag gegeben hätte?
    Da überschätzen Sie Phantasie und Kreativität von Politikern wohl doch gewaltig und verwechseln obendrein Ursache (Basis für den unaufhaltsamen Aufstieg dieser Unternehmen dürfte eher eine zufällige Mischung aus Wissen, guter Idee, Können, Unternehmungsgeist, guten Startbedingungen, Fortune sowie einer Portion Chuzpe gewesen sein) und Wirkung („strategisches Interesse von Regierungen und Geheimdiensten“).

  • Nachtrag: China beginnt gerade die omnipräsente US-Spyware aus seinen staatlichen und halbstaatlichen Netzen zu entfernen: Verbot von Windows8 und diverser Hardware, z.B. Server von IBM. Die im Artikel genannten "Monopolisten" haben gegen die inländische Konkurrenz in China ja sowieso schon einen schweren Stand und fliegen womöglich früher oder später ganz aus diesem Markt.

    http://www.zerohedge.com/news/2014-05-27/first-microsoft-now-ibm-china-orders-banks-remove-high-end-ibm-servers

    Sollten wir hier in Europa auch machen - solange es uns das noch durch das transatlantische Freischwindelsabkommen nicht verboten ist. Diversifizierung auf internationale Lieferanten heißt das Schlagwort. Es ist unfair, die USA alles alleine wissen zu lassen, auch die Chinesen, Taiwanesen, Koreaner ..... sollen ihren gerechten Anteil an unseren Informationen frei Haus von unseren Rechnern geliefert bekommen!

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