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Google in China: Bunte Blumen und tiefe Verbeugung

Googles Rückzugsdrohung sorgt in China für Aufregung. Viele Menschen reagieren voller Respekt auf den Schritt des Internetkonzerns, der erstaunlich viel Unterstützung bekommt.

Ein Chinese legt Blumen vor Googles Sitz im Reich der Mitte ab. Quelle: Reuters
Ein Chinese legt Blumen vor Googles Sitz im Reich der Mitte ab. Quelle: Reuters

PEKING. Eisiger Wind und kalte Minusgrade - Pekings Innenstadt bietet momentan sehr wenig Frühlingshaftes. Umso mehr fallen an diesem Tag die frischen Blumen auf, die Bürger in buntem Papier vor dem Firmenschild im Westen der Stadt abgelegt haben. Und vor dem Google-Logo zeigt ein junger Mann im dicken Parka seinen Respekt mit einer typisch asiatischen Geste: Tief verbeugt er sich vor der China-Zentrale des US-Konzerns.

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Es liegt bereits etwas von Abschied in der Winterluft. Dabei hat der US-Internetriese an diesem Morgen zunächst nur gedroht, sich wegen der Zensurvorgaben der Behörden aus China zurückzuziehen. Es habe massive Cyber-Attacken auf Google aus China gegeben, lautet der sehr deutliche Vorwurf. Man sei nicht mehr länger bereit, "die Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren", hatte darum der Konzern wenige Stunden zuvor in einer Stellungnahme im Internet mitgeteilt.

Dass diese Ankündigung Konsequenzen hat, ist nicht nur den Google-Managern klar. Auch die jungen Chinesen auf der Straße erwarten Konsequenzen. Im Land mit der schärfsten Internetzensur der Welt werde die Regierung kaum eine unzensierte Suchmaschine zulassen, ist die einhellige Meinung. "Die können einpacken", sagt ein Onliner und stampft sich die Füße warm. Er bedaure das sehr, fügt er an. An einem Blumenstrauß heftet ein Zettel, der Google in Schriftzeichen als "wahren Mann" lobt.

Überhaupt bekommt Google unter Chinas Internetgemeinde erstaunlich viel Unterstützung. Sollte sich Google wirklich aus China zurückziehen müssen, sei das für die Onlinemassen Chinas "total tragisch", schreibt ein Kommentar. Meist überwiegt im Netz die Bestürzung, aber es gibt auch Kritik. Google drücke sich für sein "nobles Image" vor der Verantwortung gegenüber den chinesischen Nutzern, schreibt einer.

Google habe diesen Machtkampf mit Chinas Politikern einfach nicht gewinnen können, sagt Rebecca MacKinnon, China- und Internetexpertin aus Hongkong. "Sie mussten einfach sagen: Genug ist genug!" In Peking schickt das Management von Google derweil Mitarbeiter an die Glastür, um neue Blumen und Glückwunsche entgegenzunehmen. Der Schnee glänzt in der Nachmittagssonne. Eine neue Eiszeit in Peking scheint angebrochen.

Die Erklärung von Google ist da schon längst im chinesischen Web blockiert, Chinas Zensoren bleiben sich treu. Und eine offizielle Stellungnahme zu dem Thema gibt es auch am Abend noch nicht. Als die Lichter in der Pekinger Google-Zentrale langsam erlöschen und die Blumen vor der Tür schon erfroren sind.

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