Google kauft Doubleclick
Der Bieter-Wahnsinn geht weiter

Wirtschaftliche Vernunft hat in der Geschichte von Doubleclick noch nie eine Rolle gespielt – und so bleibt es auch.

DÜSSEDORF. Noch vor einem Monat wurde in der Branche gemutmaßt, Microsoft werde den Online-Werbedienst für zwei Mrd. Dollar kaufen. Die Investmentbank Merrill Lynch warnte in einer Analyse, der Preis sei zu hoch, weil er mehr als das Dreißigfache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) darstelle. Für Online-Firmen sei aber ein so genannter Ebitda-Multiple von 20 bis 25 üblich. Nun schlägt nicht Microsoft zu, sondern Google - für 3,1 Mrd. Dollar. Und kein Controller der Welt könnte erklären, warum.

Für Beobachter von Doubleclick ergibt sich damit ein déjà-vu. Schon einmal schienen für das New Yorker Unternehmen sämtliche Gesetze der Betriebswirtschaft außer Kraft gesetzt. 1998, als Doubleclick an die Börse ging, standen 80 Mill. Dollar Umsatz 18,2 Mill. Dollar Verlust gegenüber. Die Börse bewertete das zwei Jahre alte Unternehmen jedoch nach kurzer Zeit mit mehr als vier Mrd. Dollar. Noch im selben Jahr gab Doubleclick zusätzliche Aktien aus.

Internet-Werbung galt als Geschäft der Zukunft und Doubleclick war der Vorreiter. Das Unternehmen entstand aus einem Zusammenschluss der New Yorker Werbeagentur Poppe Tyson und den beiden Gründern Kevin O'Connor und Dwight Merriman. Die Start-up-Unternehmer hatten sich der Legende nach acht Monate in ihrem Keller den Kopf zerbrochen und mehr als 100 Ideen verworfen, bis ihnen "im September 1995 ein Licht aufging", wie O'Connor in einem Interview erzählt. "Wir begriffen, dass Werbung ein Schlüssel für das Internet sein würde und wir hatten ein Produkt, dass ein Schlüsselproblem lösen konnte."

O'Connor und Merriman entwickelten eine Software, mit der ein Werbetreibender seine Werbung gezielt auf die Internetseiten einblenden konnte, deren Inhalte zu seinen Produkten oder Dienstleistungen passte. Im nächsten Schritt gelang es den Programmierern, nicht nur Informationen über die Webseite einzuholen, sondern auch über den jeweiligen Nutzer.

Die Börse sah das mit Wohlgefallen: Das Kürzel DCLK versetzte die Anleger in Entzücken und Doubleclick kaufte mit seinen extrem hoch bewerteten Aktien die Konkurrenz auf. Allein 1999 erwarb man für 550 Mill. Dollar das Softwarehaus Net-Gravity, und für 1,7 Mrd. Dollar die Direkt-Marketingfirma Abacus.

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