Google
-Chef Eric Schmidt hat Zeitungsberichten zufolge Yahoo
-Chef Jerry Yang in einem Telefongespräch Unterstützung gegen das unaufgeforderte Gebot von Microsoft
angeboten. Der Suchmaschinenriese setzt viele Hebel in Bewegung, um Microsoft
Probleme zu machen. Doch das von Bill Gates gegründete Unternehmen scheint sein Ziel sehr entschlossen zu verfolgen.
Projektionen von Google- und Yahoo-Schriftzügen sind in der New Yorker Niederlassung von Google zu sehen. Google reagierte auf die Übernahmeangebot von Microsoft für Yahoo. ap
HB MOUNTAIN VIEW/SEATTLE. Microsoft
wird für den Bargeld-Anteil seines Gebotes für Yahoo
wohl zum ersten Mal in seiner Geschichte Schulden aufnehmen. Dies sagte Finanzchef Chris Liddell am Montag. "Wenn Sie sich den Bar-Anteil anschauen, das werden mehr als 20 Mrd. Dollar sein", erklärte er. "Wir könnten das meiste davon durch unsere Barreserven bezahlen, aber es ist wahrscheinlich, dass wir uns tatsächlich zum ersten Mal etwas leihen." Microsoft
hatte Ende vergangener Woche 45 Mrd. Dollar für Yahoo
geboten.
Auch nach dem Gespräch zwischen den Chefs von Google
und Yahoo
gilt es dem » "Wall Street Journal" zufolge als unwahrscheinlich, dass Google
- im Internetgeschäft Erzrivale von Microsoft
- selbst für Yahoo
bieten will, weil dies wohl kartellrechtlich bedenklich sei. Google
besitzt bereits einen großen Anteil am Online-Werbemarkt. Allerdings könnte Google
eine Rolle spielen, wenn es darum geht, ob andere Unternehmen Microsoft
überbieten können oder bei der Frage, ob Yahoo
unabhängig bleibt. Google
könne beispielsweise einen Outsourcing-Vertrag mit Yahoo
im Werbe-Bereich schließen und so dem Internetportalbetreiber einen beständigen Umsatz garantieren.
Laut der » "New York Times" nahmen Google
-Manager am Wochenende beispielsweise Kontakt zu Time Warner
auf, um zu klären, ob das Unternehmen ein Gegenangebot plane und wie Google
diesen gegebenenfalls unterstützen könnte. Google
ist mit fünf Prozent am Unternehmen AOL beteiligt, das mehrheitlich Time Warner
gehört.
Der Board von Yahoo
hat bisher offiziell noch keine Stellung zu der Microsoft
-Offerte bezogen, auch gibt es bislang keine Konkurrenzofferten. In einem Schreiben von Yahoo
an die Mitarbeiter hieß es: "Wir wollen betonen, dass absolut keinerlei Entscheidungen getroffen wurden. Und anders als manche glauben machen wollen, ist auch noch kein Integrationsprozess auf dem Weg." Microsoft
hatte am Freitag 44,6 Mrd USD für das Unternehmen geboten. Die Übernahme wäre die bisher größte innerhalb der Internet-Branche.
Ein Google
-Sprecher wollte keinen Kommentar dazu abgeben, ob sein Unternehmen Interesse an Yahoo
oder Kontakt zum Wettbewerber aufgenommen hat. In einem » Blog vom Sonntag stellte Google
in Frage, ob eine Yahoo
-Übernahme Microsoft
nicht zu viel Macht verleihen würde, die missbraucht werden könnte. Die angestrebte Fusion werfe "beunruhigende Fragen" etwa zur Offenheit des Internets und zu möglicherweise unrechtmäßigem Einfluss im Web auf, warnte Googles
Chef-Jurist David Drummond am Sonntag. "Könnte Microsoft
nun versuchen, den gleichen unangemessenen und unrechtmäßigen Einfluss über das Internet auszuüben wie beim PC?", schrieb Drummond. "Könnte der Kauf von Yahoo!
Microsoft
- trotz seiner Vorgeschichte von ernsthaften Verstößen gegen Gesetze und Wettbewerbsrecht - erlauben, unfaire Praktiken bei Browsern und Betriebssystemen auf das Internet auszudehnen?"
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie Microsoft
auf die Kritik von Google
reagiert
Microsoft
Zwischen dem Softwareriesen und Wettbewerbshütern in den USA sowie vor allem in Europa hatte es immer wieder schwere Differenzen gegeben. Experten rechnen daher bisher am ehesten mit Widerstand in Europa. Angesichts der Übermacht von Google
bei der Online-Suche halten sie aber grünes Licht der Behörden für gut möglich.
Eine mit der Sache vertraute Person sagte, eine Reihe von Technologie-, Medien- und Finanzkonzernen hätten seit Freitag mit Yahoo
und deren Beratern Gespräche über eine mögliche Teilnahme am Bieterwettbewerb geführt. Experten halten private Investoren für möglich oder Medienkonzerne wie die News Corp
des Multimilliardärs Rupert Murdoch, hieß es in US-Medien. News Corp
dementierte am Sonntag, dass man ein Angebot vorbereite. Intern wird bei Yahoo
auch über eine Zerschlagung des Unternehmens spekuliert.
Bisher gebe es keine ernsthaften konkurrierenden Gebote für Yahoo,
so mehrere mit der Sache vertraute Personen. Eine Gegenofferte wird angesichts der Höhe der Microsoft
-Angebots als nur schwer finanzierbar angesehen.
Links zum Thema im Web:
» Google-Blog: "Yahoo! and the future of the Internet"
» "Wall Street Journal": "Google Offers to Help Yahoo Fight Off Microsoft"
» "New York Times": "Google Works to Torpedo Microsoft Bid for Yahoo"

