Google-News
Google umgeht Kritik der Zeitungsverleger

Die Veränderung scheint unbedeutend: Google-News, das Nachrichtenportal des Internetkonzerns, bezieht künftig Meldungen direkt von Nachrichtenagenturen. Diese Verträge dürften jeodch zu geringeren Klickzahlen bei Internet-Seiten der klassischen Medien führen – diese reagieren unterschiedlich.

DÜSSELDORF. Es klingt wie eine kleine, wenig wichtige Umstellung bei der Nachrichtensuchseite „Google News“. Doch wer zwischen den Zeilen liest, entdeckt gewaltigen Sprengstoff für die Internet-Auftritte von Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendern: Am Freitag verkündete Google, dass es künftig offiziell Nachrichten von vier großen Agenturen bezieht und diese Inhalte auf seinen eigenen Servern verwaltet. Mit im Boot sind die britische PA, Canadian Press, AFP aus Frankreich so wie AP aus den USA. „Wir lizenzieren unsere Inhalte an Google. Das machen wir genauso wie für 300 bis 400 andere Internet-Angebote“, sagte Jane Seagrave, Vize-Präsidentin bei AP.

Zunächst wird den Nutzern von „Google News“ nicht viel auffallen. Auch weiterhin müssen sie auf Schlagzeilen klicken, um die vollständigen Meldungen zu lesen. Im Fall der vier Nachrichtenagenturen werden sie aber nun weitergeleitet auf Seiten, die von Google verwaltet werden. Da der Internet-Konzern die Meldungen eingekauft hat, wie andere Medienunternehmen auch, könnte er dort bald Werbung platzieren, sagt der zuständige Produktmanager Josh Cohen. Auf der Übersichtsseite wagt Google dies nicht aus Angst vor Klagen.

An sich wäre diese Meldung nichts Besonderes, wenn da nicht auch das Versprechen Googles wäre, doppelte Meldungen stärker als bisher zu vermeiden. „Unser vorrangiges Ziel ist es, möglichst viele Sichtweisen auf eine Story zu liefern“, sagt Cohen. „Doch aus Nutzersicht sind Duplikate der gleichen Agenturmeldung keine andere Perspektive.“

In der Tat sind Dopplungen das größte Ärgernis bei „Google News“: Wer gestern Informationen zum Abzug der britischen Truppen aus dem irakischen Basra suchte, fand zwar 280 Artikel bei „Google News“ – doch durchgängig, von „Sueddeutsche.de“ bis „NZZ Online“, handelte es sich um leicht oder gar nicht veränderte Agenturmeldungen. Würde „Google News“ die Mehrfachverwendungen ausfiltern, bliebe am Ende die Quelle, die jene Meldung zuerst verkündet hat: die Nachrichtenagentur.

„Dies könnte zu weniger Verkehr auf den Seiten der Zeitungen führen“, meint der renommierte amerikanische Medienberater Jeff Jarvis. „Google News“ schaufelt bislang gehörige Mengen Nutzer zu anderen Nachrichtenseiten. „Der Traffic, den ,Focus Online‘ von ,Google News‘ erhält, ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich gewachsen“, sagt dessen Chefredakteur Jochen Wegner, ohne Zahlen nennen zu wollen: „Die meisten prominenten Beiträge entstehen jedoch in unserer eigenen Redaktion. Wegen Agentur-Doubletten, die von ,Google News‘ zukünftig ignoriert werden, machen wir uns deshalb keine Sorgen.“

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