Google Quartalszahlen
Kostenlawine verschreckt die Wall Street

Der harte Kampf um Talente im Silicon Valley fordert seinen Tribut. Google ist zwar weiter auf Wachstumskurs, doch die Wall Street zeigt sich enttäuscht von den vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal 2011.
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San FranciscoLarry Pages großer Auftritt blieb aus. Nach einigen wenigen Grußworten und der Bekräftigung, dass alles trotz der aktuellen Umwälzungen bestens lief, überließ der frisch gebackene CEO im Analysten-Telefonkonferenz seinen Top-Managern die Aufgabe, Geschäftsverlauf und Strategie zu erläutern.

Der Internetriese hat im ersten Quartal 2011 einen Bruttoumsatz von rund 8,58 Milliarden Dollar erzielt, das ist ein Plus von 27 Prozent zum Vorjahresquartal. Darin enthalten sind 2,04 Milliarden Dollar, die Google an Dritte ausgezahlt hat für die Vermittlung von Nutzern auf Google-Seiten. Der nach Abzug verbleibende Nettoumsatz liegt um 29 Prozent über Vorjahr und im Rahmen der Erwartungen. Der Nettogewinn nach GAAP im Quartal liegt bei 2,30 Milliarden Dollar, nach 1,96 Milliarden im Vorjahresquartal.

Verantwortlich für den enttäuschenden Gewinnanstieg ist eine Kostensteigerung durch eine generelle zehnprozentige Gehaltserhöhung für alle 26 000 Mitarbeiter, die Ende 2010 Kraft trat, und ein beschleunigter Personalaufbau. Insgesamt 1916 neue Googler begannen im ersten Quartal 2011 mit ihrer Arbeit. Im Gesamtjahr will der neue CEO Larry Page rund 6200 Mitarbeiter einstellen, mehr als jemals zuvor in der 13-jährigen Geschichte.

Google befindet sich in einem harten Konkurrenzkampf um Märkte und Mitarbeiter mit dem aufstrebenden Social Network Facebook. Für aktienbasierte Vergütungen, also Optionen an Mitarbeiter, gab Google 432 Milionen Dollar aus, im Vorjahresquartal waren es noch 291 Millionen. Aktienoptionen sind in den USA ein beliebtes Mittel, um wichtige Mitarbeiter langfristig an ein Unternehmen zu binden.

Überraschend kam ein kräftiger Anstieg bei den Investitionen auf 890 Millionen Dollar im Quartal, was CFO Patrick Pichette im Analysten-Call vor allem mit dem Kauf von zwei Immobilien in Dublin und Paris erklärte.
Googles Kerngeschäft, die Websuche zeigte sich in Hochform. Die Zahl der bezahlten Klick auf Web-Werbung stieg um 18 Prozent, und der Umsatz pro Klick um acht Prozent. Beides war besser als von Analysten erwartet.

Enorme Wachstumsraten zeige vor allem das Mobile-Geschäft, die Suche per Smartphone oder Tablet-PC wachse „dramatisch“. Pro Tag würden weltweit im Schnitt 350 000 Smartphones mit Android-Betriebssystem neu in Betrieb genommen. Rund 120 Millionen Surfer gingen mittlerweile mit dem Google-Browser Chrome ins Internet. „Das Chrome-Modell funktioniert“, so Pichette, der ankündigte, anhaltend hoch in Marketingausgaben zu investieren. Der Schwerpunkt der Produktentwicklung liegt in der Display-Werbung, als interaktive Werbebanner und besonders Video-Werbung.
Analystenfragen zu Googles Strategie im Social Networking wurden eher allgemein beantwortet. Als eine seiner ersten Amtshandlung hatte Larry Page angekündigt, die Bonuszahlungen am Jahresende teilweise an den Erfolg in diesem Sektor zu koppeln. Das sei eine „interne Angelegenheit“, die CFO Pichette nicht weiter kommentieren wollte. Aber man wolle “schon ein Zeichen setzen”, wie wichtig es für jeden sei, sich hier zu engagieren.

Der Schritt stößt bei Marktbeobachtern auf große Skepsis, teilweise wird schon er als der erste große Fehler des neuen CEO bezeichnet. Man könne Mitarbeitern nicht einfach per Dekret und Druck „soziale Kernkompetenz“ verordnen.

Das Freundschaftsnetz Facebook wird derzeit als der gefährlichste Herausforderer Googles gehandelt. Unter anderem auch deshalb, weil die von den fast 600 Millionen Nutzern dort erstellen Inhalte für Googles  Suchmaschine unsichtbar bleiben. Mit dem Trend zu sozialen Netzen wird damit ein immer größerer Teil des Internets für den Such-Marktführer zu einem schwarzen Loch.





Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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