Google und Europas Medien
Der moderne Ablasshandel dürfte teurer werden

Google spendiert acht europäischen Zeitungshäusern 150 Millionen Euro für Online-Projekte. Im Gegenzug macht der Internet-Riese Milliardengewinne. Google gibt mehr, aber nicht genug. Ein Kommentar.
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Der Wind für Google ist rau geworden. Europa ist nicht mehr die Bonanza, die sich leicht ausbeuten lässt. Deutsche Verlage wie Axel Springer stören sich daran, für kleines Geld großes Futter an Google News und die allgegenwärtige Suchmaschine zu liefern.

In Spanien musste Google News eingestellt werden, nachdem die Pressehäuser nicht mehr kooperierten. Die EU-Kommission betreibt ein Verfahren wegen Wettbewerbsbehinderung zum Schaden der Verbraucher. Das alles hat für den Internetkonzern von der amerikanischen Westküste die Preise steigen lassen.

Vor Jahren genügte es noch, in Frankreich 60 Millionen Euro an einen Technologiefonds der Verleger zu zahlen. Nun spendiert der Gigant, der pro Quartal viele Milliarden Dollar verdient, 150 Millionen Euro für innovative News-Projekte im Netz. In einer neuen Allianz kooperieren acht europäische Zeitungen mit Google, darunter „Les Echos“, „Financial Times“, „Die Zeit“ und die „Frankfurter Allgemeine“, deren verstorbener Herausgeber Frank Schirrmacher die Stimme gegen die Abgreif-Mentalität Googles erhoben hatte.

Ja, Google könne mehr tun für die Presse, bekennt jetzt ein leitender Manager des Online-Riesen. Immerhin, eine Erkenntnis. Aber der moderne Ablasshandel dürfte am Ende vermutlich doch noch etwas teurer werden.

Hans-Jürgen Jakobs Quelle: dpa
Hans-Jürgen Jakobs
Handelsblatt / Senior Editor

Kommentare zu " Google und Europas Medien: Der moderne Ablasshandel dürfte teurer werden"

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  • Ja, "gegen Google lobbyieren" wäre schonmal eine Hausnummer, um noch zu merken worauf Google da vollkommen eigendynamisch drauf losgeht:
    immerhin sind Kartellrechtler wachgeworden, um monopol- und oligopolartig wirkende Entwicklungen zunächst ersteinmal zu sichten.

  • Google macht also "Milliardengewinne mit Google News", einem kosten- und werbefreien Angebot. Laut dem Chefredakteur des Handelsblatts. Dem Vernehmen nach eine "Wirtschafts- und Finanzzeitung".

    Ist das hier dieser Qualitätsjournalismus, von dem man gerade in letzter Zeit so viel gehört, aber so wenig gelesen hat? Aber dass der Zeitungsmarkt in der Krise ist, liegt sicher allein an Google und ganz bestimmt nicht an den Verlagen...

    Google macht das nicht aus Einsicht, sondern aus PR-Gründen. Weil einige Verlage dermaßen gegen Google lobbyieren, dass es schon einer eigenen Prostitution gleichkommt. Auf die Idee, die Geschäftsmodelle an das Internet anzupassen und nicht das Internet an die verkrusteten, alten Geschäftsmodelle, darauf kommt in der Branche anscheinend keiner. Da soll halt der Berg wiedermal zum Propheten kommen. Ich kann es aber auch irgendwie verstehen. Sich selbst zu hinterfragen ist wesentlich schwerer als einfach mal den bösen Anderen die Schuld für die eigene Misere zu geben.

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