Google versus Mobilfunker
Netzbetreiber als Werbeblocker?

Um Konzerne wie Google oder Yahoo für die Durchleitung ihrer Daten zahlen zu lassen, will ein europäischer Netzbetreiber mobile Werbung blocken. Im großen Stil. Doch diese Pläne könnten nach hinten losgehen.
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DüsseldorfDie Nachricht elektrisiert die Branche: Mobilfunkanbieter sollen planen, mobile Werbung zu blockieren. Das meldet die „Financial Times“ am Freitag. Ein Netzbetreiber aus Europa habe die nötige Software sogar bereits installiert und wolle sie bis Ende 2015 einsetzen.

Das wäre ein Höhepunkt im Streit zwischen Telekommunikationsunternehmen und den großen Datenkonzernen wie Google oder Yahoo. Die Netzbetreiber auf der einen Seite beklagen seit längerem, dass sich die Konzerne, die etwa im Fall von Google rund 60 Milliarden Dollar im Jahr durch mobile Werbung verdienen, sich nicht an den Kosten für die Durchleitung ihrer Daten beteiligen wollen. Die Konzerne auf der anderen Seite erklären, sie würden durch Werbung kostenlose Dienste anbieten können, die zum Teil mehrere Millionen Nutzer haben.

Dem Zeitungsbericht zufolge, soll der europäischer Netzbetreiber, der nicht genannt wird, zunächst einen Werbeblocker per „Opt-In“ anbieten: Kunden können ihn also bewusst einschalten. Darüber hinaus gebe es jedoch Planungen, Anzeigen bei allen Kunden zu blockieren. Der Plan trage den Namen „die Bombe“. Damit soll vor allem Google gezwungen werden, einen Teil der Erlöse mit den Netzbetreibern zu teilen. Allerdings sei dieser Schritt rechtlichen und regulatorischen Schritten riskant, sagte ein Manager des Konzerns der Zeitung.

Pläne dieser Art seien ein relativ klarer Verstoß gegen die Netzneutralität, erklärte ein Branchenexperte gegenüber dem Handelsblatt. Andere sehen Werbung klar als Daten, womit umfassendes Blockieren gegen die Netzneutralität verstoßen würde. Die Möglichkeit des „Opt-In“ könnte jedoch nach den gelten Regel in Ordnung sein. Die Deutsche Telekom erklärte, der Konzern beobachte den Markt, plane aber derzeit keine Maßnahmen. Die Vodafone Gruppe kommentiert den Fall nicht.

Es ist auch fraglich, ob die Konzerne sich mit dem Blocken von Werbung nicht selber ein Bein stellen könnten. Laut einer Studie der Universität von Süd-Kalifornien, brauchen Apps die über Werbung finanziert werden durchschnittlich 79 Prozent mehr Datenvolumen. Und die Nutzung von Datenvolumen ersetzt zunehmend die einstige Cash-Cow der Mobilfunk-Anbieter, die SMS. Thomas Dannenfeldt, Finanzvorstand der Telekom, erklärte am Mittwoch anlässlich der Präsentation der Bilanz zum ersten Quartal dieses Jahres, der Umsatzanteil des mobilen Datengeschäfts würde bereits 22 Prozent der gesamten Mobilfunk-Umsätze ausmachen. Damit hätten sie „den Rückgang der klassischen SMS-Erlöse weit überkompensiert.“

Bisher haben die europäischen Telekommunikationsanbieter vor allem versucht, sich auf politisch-regulatorischer Ebene gegen die Datenkonzerne – sogenannte Over-the-Top-Player, weil sie ihre Dienste auf der Infrastruktur von anderen anbieten – entgegenzustellen. Telekom-Chef Timotheus Höttges wird nicht müde bei jeder Gelegenheit ein „Level Playing Field“ zu fordern: gleiche Regeln für alle. Denn - so die Argumentation - die Datenkonzerne unterlägen etwa anderen Datenschutzrichtlinien oder müssten bei Telefonieangeboten nicht die gleichen regulatorischen Vorgaben befolgen, etwa für Notrufe oder die Interoperabilität zwischen den Anbietern.

Die Klagen sind in Brüssel bisher auf offene Ohren gestoßen. In den am 6. Mai von der EU-Kommission vorgestellten Plänen für einen „Digital Single Market“ steht geschrieben, man wolle die richtigen Konditionen für ein „Level Playing Field“ schaffen. Die Regularien für Telekommunikationsanbieter sollen überprüft werden. 2016 soll ein Vorschlag vorgestellt werden. Würden die Telekommunikationsanbieter in diesem Prozess durch das generelle Blocken von Werbung sensible Fragen der Netzneutralität aufwerfen, könnten sie ungewünschte Missstimmung in Brüssel auf sich ziehen.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte

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  • Die Mobilfunker rufen die "Power Games" gegen die Werbeindustrie aus, um etwas vom Werbekuchen, der unantastbar über ihre Netze läuft, zu erhalten. Man fragt sich, warum die Mobilfunker nicht schon lange ihr größtes Gut, nämlich Anrufe in Werbegold verwandeln. Rund 150 Anrufe/ Monat laufen über ein Handy, viele von unbekannten Nummern. Mit einer einfachen Anruferkennungsfunktion könnten diese Nummern aufgelöst und dem Nutzer der Name des Anrufers angezeigt werden. Eine zusätzliche Page Impression entsteht - der Mobilfunker schaltet darauf Werbung. So einfach geht das. Da es die Mobilfunker verschlafen haben, ging kürzlich Facebook mit der Anruferkennungs-App 'Hello' an den Start. Gratis Anruferkennungs-Software bei http://calldorado.com

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