Google will weniger Geld versenken
Die Stunde der eisernen Ruth

Mit einem Kursfeuerwerk reagiert die Börse auf Googles Quartalszahlen. Gleichzeitig verspricht die neue Finanzchefin Ruth Porat, ein scharfes Auge auf die Kosten zu werfen. Doch für „Moonshots“ soll weiter Geld da sein.
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San FranciscoEs war ihre Stunde: An der Wall Street hatte Ruth Porat als Finanzchefin beim Bankgiganten Morgan Stanley eisern über die Kosten gewacht. Nun ist sie in gleicher Position bei Google tätig und verspricht bei ihrer ersten Telefonkonferenz, was die Anleger hören wollen. Die Zeiten des unlimitierten Geldausgebens sind vorbei. Wer in luftigen Ideen Geld versenken will, der muss jetzt an ihr vorbei.

Porat kam Mitte Mai und ihre Ernennung gilt als ein Zeichen guten Willens der Gründer Larry Page und Sergey Brin. Die Konstruktion der Aktienstruktur macht sie zu unbeschränkten Alleinherrschern bei Google und sie stellen pro Quartal gerne tausende Mitarbeiter ein und investieren in wilde Träume wie Internet per Ballons für Afrika, Roboter und mehr.

Ein Traum, der Aufstieg durch den Kauf Motorolas für zwölf Milliarden Dollar zum Hardwarehersteller aufzusteigen, wurde bereits unter riesigen Verlusten begraben. Nun wacht die resolute und an der Wall Street kampferprobte Endfünfzigerin über die Finanzen und den Schatz von 69 Milliarden Dollar liquidem Vermögen. Im zweiten Quartal 2015 kamen netto 1729 Mitarbeiter zum Google-Konzern dazu. So wenig wie seit Jahren nicht mehr.

Nach Quartalen mit heftigen Kostensteigerungen, die die Umsatzsteigerungen locker übertrumpften, ist das Balsam für die Nerven der Aktionäre. Weil zugleich die Rahmendaten stimmen, sind sie gerne bereit, mehr Geld zu investieren.

Denn das Kerngeschäft scheint gesund. Der Nettoumsatz des Internetunternehmens aus Mountain View in Kalifornien legte um elf Prozent auf 14,35 Milliarden Dollar zu. Dazu kommen noch 3,38 Milliarden Dollar Umsatz für Besucher, die andere Seiten zu Google-Webseiten weitergeleitet haben. Aber die muss man abziehen, weil sie direkt an die Partner abgeführt werden. Der Nettogewinn nach amerikanischem Bilanzstandard GAAP kletterte gegenüber Vorjahr um fast 600 Millionen auf 3,931 Milliarden Dollar. Damit wird zum ersten Mal seit sechs Quartalen die Wall Street positiv überrascht.

Bei steigenden Gewinnen scheint die zuletzt starke Kostenexpansion im Griff zu sein. Mit 12,9 Milliarden Dollar lag der gesamte Kostenblock nur zehn Prozent höher als im Vorjahr und damit unter Umsatzzuwachs. Das waren Zahlen, die viele Zweifel beseitigen halfen.

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