Gourmetkanal arbeitet kostendeckend
TV Gusto: Der Calli-kocht-köstlich-Sender

Reiner Calmund kann gar nicht richtig kochen. Der ehemalige Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen säbelt im Auftrag des Kochkanals TV Gusto lediglich seine Karotten brav in zwei Zentimeter dicke Scheiben.

MONHEIM. Im Fernsehstudio in einem tristen Industriegebiet am Rande von Monheim, auf halben Weg zwischen Düsseldorf und Köln, kommt es weniger auf die Kochkünste des drei Zentner schweren Gourmets an. Was zählt ist seine Redekunst. Und plaudern kann "Calli". Mit rheinischem Zungenschlag schwärmt er von dem rosa Hummersüppchen, das er in Schnapsgläser gießt, und trommelt gleichzeitig für das Essen- und Trinken-Fernsehen.

Im September 2004 starteten der frühere Vox-Programmdirektor Jörg Schütte und der ehemalige RWE-Vorstand Marc Pasture ihr Experiment namens TV Gusto. Ein Jahr später steht der Kanal auf solidem Fundament. "Wir arbeiten im Moment kostendeckend", berichtet der Belgier Pasture stolz. Zu den Werbekunden zählen mittlerweile Konzerne wie Unilever und Dr. Oetker, aber auch kleinere Firmen wie der Küchengerätehersteller Rösle.

Im ersten Sendejahr setzte TV Gusto nach eigenen Angaben rund 4,5 Mill. Euro um. Das große Geld verdient der 57-jährige Pasture - einst im Vorstand von Citroën und Tui - mit seinem Partner Schütte noch nicht. Erst bei sechs oder sieben Mill. Euro Einnahmen, die mit Werbekunden, Kabelgesellschaften, Programmverkäufen und Telefongeschäften erzielt werden, kann das Tandem eine ordentliche Rendite erwirtschaften. Doch das ist noch ein weiter Weg. Denn derzeit erreicht TV Gusto gerade ein Fünftel aller Fernsehhaushalte.

Der Minisender mit fünf festen und sechzig freien Mitarbeitern testet mit seinem Programm gern schon mal die Grenzen des Erlaubten. Die Kriterien für Schleichwerbung - etwa bei der Empfehlung von Restaurants - sind da oft eine Frage der Auslegung. Und aus der Sicht der Medienwächter sind es vor allem solche kleineren Sender, die mit Verstößen auffallen. "Sollte dabei die wirtschaftlich schwierige Lage eine Rolle spielen, wäre dies kein Grund, rechtswidriges Verhalten zu legitimieren", sagt Norbert Schneider, Direktor des Landesanstalt für Medien.

Erst Ende August rügte Schneider vier Fälle von Schleichwerbung bei TV Gusto. Senderchef Pasture gibt sich gelassen: "Die Mediengesetze stammen einfach aus einer alten Zeit." Was zählt seien sowieso die Kunden. Und gerade klopfte ein Gigant an die Tür: Nestlé. Sollte der Vertrag mit den Schweizern klappen, ist bei TV Gusto alles im grünen Bereich.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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