Grafikspezialist
AMD bietet für ATI

Zeitungsmeldungen vom Wochenende haben sich bestätigt: Der Computerprozessor-Hersteller AMD will den kanadischen Grafikchip-Spezialisten ATI Technologies übernehmen. Spielen die ATI-Aktionäre mit – was ob der gebotenen Summe wahrscheinlich ist – wäre das ein herber Schlag für den AMD-Erzrivalen Intel.

HB/hof NEW YORK. Die Transaktion habe einen Wert von 5,4 Mrd. US-Dollar, wie Advanced Micro Devices (AMD) am Montag in New York mitteilte. 4,2 Mrd. Dollar will AMD den ATI-Aktionären in bar für ihre Anteile bezahlen, den Rest in eigenen Aktien, 57 Mill. an der Zahl. Der Baranteil werde durch eigene Mittel und Kredite finanziert, hieß es.

AMD bietet für jedes ATI-Papier 20,47 Dollar in bar oder 16,40 Dollar plus 0,2229 AMD-Aktien. Das entspricht einem Aufgeld von knapp 20 Prozent auf den Kurs vor Bekanntwerden der Pläne. Am Freitag hatte die kanadische Zeitung „Globe and Mail“ über das sich anbahnende Geschäft berichtet. Daraufhin hatte der Kurs stark angezogen. Erste Gerüchte über den Kauf gab es bereits im Frühjahr.

ATI produziert Grafik-Chips und ganze Grafikkarten, eine Produktgruppe, die AMD bislang fehlt. Mit der erweiterten Produktpalette könnte die Firma aus dem Silicon Valley wahrscheinlich deutlich besser mit ihrem Erzfeind Intel mithalten als bisher. Sollte der Deal gelingen, wäre es die bislang größte Akquisition des 37-jährigen Unternehmens. ATI ist neben Nvidia einer der größten Hersteller von Grafikchips. In Millionen Computern stecken die Produkte des kanadischen Unternehmens, das von Auswanderern aus Hongkong Mitte der 80-er Jahre gegründet worden war.

Intel ist direkt betroffen

Intel und AMD bekämpfen sich seit Jahren im Markt der Prozessoren. Die sind das Gehirn jedes Rechners. Intel dominierte dieses Geschäft über viele Jahre mit einem Marktanteil von 90 Prozent. Erst in jüngster Zeit konnte AMD mit pfiffigen neuen Produkten aufholen. Der weltgrößte Chiphersteller Intel liegt aber nach wie vor um Längen vor AMD. Sein Konzerngewinn war mit mehr als 800 Mill. Dollar im jüngsten Quartal etwa zehn mal so hoch wie der von AMD.

Mit der Übernahme von ATI würde AMD einen ähnlichen Weg einschlagen wie Intel. Denn der Marktführer bietet nicht allein Prozessoren an. Er verkauft so genannte Chipsätze, die verschiedene Funktionen im Rechner übernehmen. Dazu gehören auch die Grafikchips. Mit den Sätzen ist mehr Geld zu verdienen als mit einzelnen Halbleitern. Bekanntestes Intel-Produkt ist Centrino, ein Chipsatz für Laptops. Mit der Übernahme von ATI kann AMD solche Chipsätze nun verstärkt in Eigenregie entwickeln und bauen; bis jetzt musste AMD zumeist zukaufen.

Die Übernahme trifft Intel jedoch auch direkt: ATI ist einer der Zulieferer des Branchenprims. Intel habe ATI einen großen Teil des Chipsatz-Geschäfts – nämlich das mit niedrigen Margen – überlassen, schreibt „Globe and Mail“. Nun dürfte Intel dieses Geschäft zurückholen.

ATI mit Sitz in Markham (Provinz Ontario) hatte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2005/2006 rund 1,9 Mrd. Dollar umgesetzt. Der kanadische Spezialchip-Anbieter hatte in dem am 31. Mai beendeten Neunmonats-Abschnitt 73,7 Mill. Dollar verdient.

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