Alle diese Gratisblätter wildern mehr oder weniger im Revier des größten Schweizer Boulevardblatts „Blick“, das deswegen für Herausgeber Ringier zum Sorgenkind geworden ist. Der Umsatz der Bereich Zeitungen bei Ringier, in dem sich die „Blick“-Zahlen verbergen, büßte im vergangenen Jahr 3,6 Prozent ein. Ringier reagiert mit bislang zwei eigenen Gratiszeitungen auf diese Entwicklung: „Heute" ist ein Blatt, das nachmittags erscheint und in den Pendlerzügen verteilt wird. Anzeigen lassen sich in Kombination mit dem „Blick“ buchen. Das Gratisblatt entwickelt sich allerdings längst nicht so wie geplant. „Im Fall von ’Heute’ zeigt sich, dass es leichter ist, mit einer Gratiszeitung Leser zu finden als Inserenten. Die nicht einmal vier bezahlten Anzeigenseiten pro Gesamtausgabe reichen jedenfalls bei weitem nicht, um die Kosten zu decken“, sagt Ueli Cutser vom Media Trend Journal, einer Schweizer Medienfachzeitschrift. Erfolgreicher als „Heute“ ist das kostenlose Wirtschaftsblatt „Cash daily“, das Ringier seit seiner Entscheidung, die Kaufzeitung „Cash“ dichtzumachen, stärker in den Vordergrund stellt.
Zurückhaltender bei Gratiszeitungen agieren die österreichischen Verlage. Aber auch dort halten die kostenlosen Blätter Einzug: Vor rund einem Jahr lancierte die Fellner-Gruppe die Tageszeitung „Österreich“. Sie war als Kaufzeitung geplant, wird aber auch 13 Monate nach ihrem Marktantritt noch immer zu einem großen Teil verschenkt. Nach österreichischer Auflagenkontrolle wurden von dem im ersten Halbjahr durchschnittlich am Tag gedruckten 372 000 Exemplaren von „Österreich" nur gerade 162 000 auch verkauft. Verleger Wolfgang Fellner hält so die Auflage hoch und überrundet in einigen Regionen die bislang auflagenstärkste „Kronenzeitung“. Er riskiert allerdings Ärger mit jenen Abonnenten, die Geld für ein Produkt bezahlen, dass andere in ähnlicher Form umsonst erhalten.

