Größter Festnetz-Konkurrent der Telekom erhofft sich Wachstum durch neue Dienste im Ortsnetz
Arcor kritisiert Wettbewerbshürden

Technische Probleme werden den Wettbewerb im Telefon-Ortsnetz erheblich bremsen. Dies zumindest befürchtet Harald Stöber, Chef der Telekommunikationsgesellschaft Arcor, wenn ab Mitte nächster Woche die nächste Liberalisierungsstufe bei Ortsgesprächen startet. „Es wird zu massiven Wettbewerbsbehinderungen durch einen enormen Auftragsstau bei der Telekom kommen“, sagte Stöber dem Handelsblatt.

BONN. Ab 9. Juli kann jedermann für seine Verbindungen im Ortsnetz dauerhaft zu einem Konkurrenten der Telekom wechseln (Preselection). „350 000 unserer Kunden haben sich bereits dafür angemeldet, sie werden das Nachsehen haben, denn die Umstellung wird sich bis Weihnachten hinziehen“, sagt Stöber, „wenn der Regulierer nicht eingreift und damit das Prozedere beschleunigt.“

Bereits seit Ende April können sich Kunden für jedes Ortsgespräch über eine Vorwahl den günstigsten Anbieter aussuchen (Call-by-Call). Einen Schub für den Wettbewerb und das eigene Wachstum erhofft sich die Branche aber erst durch Preselection. „Wir gehen davon aus, dass wir so unser bisheriges Wachstum stabilisieren können“, sagte der Arcor-Chef. Das Unternehmen ist eine Tochter des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone und im Festnetz der größte Konkurrent der Deutschen Telekom. Im abgelaufenen Geschäftsjahr setzte Arcor nach Angaben von Analysten 1,2 Mrd. Euro um und damit 5 % mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Preselect-Dienste ab Mitte nächster Woche für 4,99 Euro pro Monat an.

Ursprünglich sollten die neuen Angebote im Ortsnetz bereits Ende 2002 verfügbar sein. Auf Grund technischer Schwierigkeiten hat die Regulierungsbehörde einen späteren Starttermin festgelegt. Stöber: „Wenn der Auftragsstau bei der Telekom nicht gelöst wird, kommt es erneut zu Verzögerungen und der Wettbewerb erleidet einen deutlichen Rückschlag.“

Insgesamt wollen sich nach Angaben aus der Branche knapp eine Million Kunden ab Mitte nächster Woche für Preselection im Ortsnetz freischalten lassen, die Telekom kann demnach aber nur 8 000 Kunden täglich umstellen. Diese Zahl wollte der Konzern nicht bestätigen. „Wir können keine Zahl nennen, da wir nicht wissen, in welcher Qualität die Aufträge bei uns ankommen und welche Nachbearbeitung notwendig ist“, sagte ein Konzernsprecher. „Klar ist nur: Wir wollen das Prozedere nicht verzögern.“

Die Regulierungsbehörde lehnt es bisher ab, sich in den Prozess einzuschalten, wie von Stöber gefordert. „Das ist Sache der Unternehmen, zudem liegt uns keine offizielle Anfrage vor“, sagte ein Sprecher der Behörde.

Einen weiteren Rückschlag für den Wettbewerb befürchtet der Arcor-Chef, falls der Regulierer die neuen Tarif-Pläne der Telekom absegnen sollte. Der Konzern will eine Pauschale für beliebig langes Telefonieren an Sonn- und Feiertagen auf das gesamte Wochenende ausdehnen – gegen zusätzlich 1,61 Euro im Monat. Dieser XXL-Tarif hat bereits nach Angaben von Kennern das Wachstum im Preselect-Geschäft verlangsamt, da sich beide Angebote an dieselbe Zielgruppe wenden: kommunikative Besserverdiener. Stöber: „Wird der Tarif jetzt ausgedehnt, verschärfen sich die Probleme der alternativen Anbieter.“ Denn diese können keine ähnlichen Pauschalangebote auf den Markt bringen, da sie pro Gesprächsminute ihrer Kunden einen bestimmte Gebühr an die Telekom zahlen müssen. Sobald Arcor & Co. ihren Kunden Pauschaltarife anböten, würden die Kosten unkalkulierbar.

Quelle: Handelsblatt

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