Größter Softwarekonzern der Welt entdeckt den Mittelstand als Kunden
Microsoft will SAP die Firmenkunden streitig machen

„Wir machen den Großteil unseres Geschäfts in Deutschland mit Firmenkunden“, sagt Microsoft-Deutschlandchef Jürgen Gallmann im Gespräch mit dem Handelsblatt. Wie viel der Softwarekonzern umsetzt behält Gallmann für sich. Nur eines scheint sicher: Es wird in den kommenden Jahren mehr werden. Microsoft hat den Markt für Unternehmenssoftware ins Visier genommen.

FRANKFURT/M. Noch hat SAP bei Firmenkunden die Nase vorn: Der Marktforscher Gartner beziffert den Weltmarktanteil von SAP in 2002 auf 19,6 %, den von Microsoft gerade einmal auf 2,7 %. Ganz anders sieht es im Mittelstand aus: SAP beziffert die Zahl der Kunden für die Einsteigersoftware „Business One“ auf 1 400. Das vergleichbare Microsoft-Produkt „Navision Axapta“ ist bereits bei rund 3 000 Firmen im Einsatz.

Auf 12 Mrd. Euro schätzt SAP das Marktpotenzial der kleinen und mittleren Unternehmenskunden in Europa. Rund 220 000 Unternehmen kommen für SAP als Kunden in Frage. Dazu kommen eine Million Kleinunternehmen, die der Softwarekonzern nicht adressieren will. Microsoft dagegen schon. Für die Offensive mit Unternehmenssoftware hat Microsoft die übernommenen Firmen Navision und Great Plains in den „Microsoft Business Solutions“ gebündelt. Eigenentwicklungen wie die Kundenmangement-Software „Microsoft CRM“, die im Dezember auf den Markt kommt, werden die Produktpalette erweitern.

„Microsoft wird in diesem Markt unterschätzt“, glaubt Reinhold Käfer, der beim Systemhaus Bechtle den Bereich Software leitet und mittelständische Kunden betreut. Besonders in dem für die Softwarehäuser lukrativen Markt des gehobenen Mittelstands mit bis zu 2 000 PC-Arbeitsplätzen wird es „auf einen Wettbewerb zwischen SAP und Microsoft hinauslaufen“, erwartet Käfer.

Für den Wettbewerb sieht sich Microsoft gut gerüstet. „Rund die Hälfte unserer Firmenkunden kommt aus dem Mittelstand“, sagt Gallmann. Damit habe Microsoft eine gute Basis und kenne den Markt. Für den Absatz will Microsoft sein Händler- und Partnernetz einsetzen. Bechtle ist in Deutschland eines von 200 Systemhäusern, die die gesamte Palette an Microsoft Unternehmenssoftware anbieten. SAP vertreibt „Business One“ in Deutschland über rund 60 Partner, darunter Schwergewichte wie HP und IBM.

„SAP Business One ist vor allem für kleine Firmen mit bis zu 100 Mitarbeitern geeignet“, sagt Udo Pickenhagen, der beim SAP-Partner IBM für den Vertrieb von Mittelstandslösungen zuständig ist. Daneben sei Business One für große Firmen mit vielen Niederlassungen interessant, die über die Software angebunden werden. Bei kleinen Unternehmen wächst jedoch die Kritik an den SAP-Preisen.

Bei der größeren Lösung „MySAP-All-in-One“ handelt es sich um abgespeckte Branchenversionen der MySAP Business Suite. „Branchenlösungen wird es von Microsoft nicht geben“, sagt Gallmann. Microsoft stelle die Technologieplattform sowie Standardfunktionen. „Alles andere ist Sache der Partner.“

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