Großaktionär empfiehlt Abbruch der Fusion
Drillisch dringt bei Mobilcom auf Sonderhauptversammlung

Der Maintaler Mobilfunkanbieter Drillisch prüft, eine außerordentliche Hauptversammlung bei Mobilcom einzuberufen, sollte eine Fragen, die Drillisch dem Mobilcom-Vorstand unbeantwortet bleiben. Zu den offenen Fragen gehört insbesondere, ob die geplante Fusion zwischen Mobilcom und der Internettochter Freenet weiter verfolgt werden sollte.

HAMBURG. „Wir haben dem Mobilcom-Vorstand eine ganze Reihe von Fragen gestellt. Bleiben diese unbeantwortet, erwägt Drillisch eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen“, sagt Paschalis Choulidis, Vorstandssprecher von Drillisch. Zu den offenen Fragen gehört insbesondere, ob die geplante Verschmelzung zwischen Mobilcom und der Internettochter Freenet weiter verfolgt werden sollte. „Dabei werden wir auch zu diskutieren haben, ob die Fusion von Mobilcom und Freenet aus Aktionärssicht noch sinnvoll ist“, sagt der Drillisch-Chef.

Drillisch hatte sich erst vor kurzem mit mehr als zehn Prozent an Mobilcom beteiligt. Der Großaktionär plant, unter dem Dach von Mobilcom eine schlagkräftige Einheit als neuer Serviceprovider zu bilden – möglicherweise mit weiteren Unternehmen wie Debitel und Talkline. Drillisch kann ab fünf Prozent eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Eine Sprecherin von Mobilcom hat keine Kenntnis darüber, dass Drillisch ein außerordentliches Aktionärstreffen einberufen will.

Damit droht ein handfester Streit zwischen dem neuen Großaktionär und dem Mobilcom-Vorstandschef Eckhard Spoerr. Denn Spoerr verfolgt eine komplett andere Strategie als der Drillisch-Chef. Er will Mobilcom mit Freenet fusionieren und aus den beiden Unternehmen einen neuen Komplettanbieter von Mobilfunk, Internet und Festnetz schmieden. „Drillisch und wir haben eine diametral unterschiedliche Meinung zur Entwicklung unseres Marktes und auch zur Strategie unserer Unternehmen“, betonte eine Sprecherin von Freenet. Erst vor kurzem hatte sich Drillisch-Chef Choulidis mit Spoerr getroffen, um über eine gemeinsame Strategie zu reden. Doch die Gespräche brachten kein Ergebnis.

Mobilcom ist an Freenet mit mehr als 50 Prozent beteiligt. Die beiden Gesellschaften wollen verschmelzen. Doch gegen die Fusion wehren sich einige Aktionäre. Der Kurs von Mobilcom legte 0,77 Prozent auf 19,75 Euro zu, die Notierung von Freenet gewann 0,3 Prozent auf 21,46 Euro hinzu.

Rückendeckung bekommt Drillisch überraschend durch eine Analystenstudie der DZ Bank, dem designierten Sponsor von Mobilcom. So empfiehlt der Analyst Joeri Sels „den Abbruch der Verschmelzung von Mobilcom und Freenet.“ Als Grund führt er an, dass Freenet nur geringe Chancen habe, sich auf dem Breitbandmarkt durch organisches Wachstum oder Zukäufe eine gute Marktposition zu erarbeiten. Freenet hatte sich bemüht, das Zugangsgeschäft von AOL Deutschland zu übernehmen. Am Ende machte aber die Telecom-Italia-Tochter Hansenet das Rennen.

Sollte die Fusion mit Freenet abgebrochen werden, plädiert der DZ Bank-Analyst für einen Verkauf von Freenet. Dabei nannte er United Internet und Versatel als Käufer. Sie wären im Bieterstreit um AOL leer ausgegangen, so der Analyst.

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