Großaktionäre Pirelli und Benetton unterstützen Operation
Telecom Italia plant Fusion mit Mobilfunktochter TIM

Der Telecom Italia (TI) steht abermals ein tief greifender Konzernumbau bevor: 18 Monate nach der Fusion der Dachgesellschaft Olivetti mit der TI wird laut Informationen des Handelsblatts aus unternehmensnahen Kreisen der Ex-Monopolist in den kommenden Tagen ein öffentliches Übernahmeangebot für die Mobilfunkgesellschaft TIM lancieren.

HB MAILAND.Damit will TI jene 44 Prozent an TIM, die sich seit Jahren nicht mehr in ihrem Besitz befinden, wieder aufkaufen. Gesamtvolumen der Operation: Rund 20 Mrd. Euro. Damit folgt die TI dem Beispiel der France Télécom, die im letzten Jahr ihre damals börsennotierte Mobilfunktochter Orange wieder in den Konzern integriert hat. Die Deutsche Telekom hat nach gleichem Muster den Internet- Dienstleister T-Online vom Kurszettel streichen lassen.

Motiv der geplanten Operation ist, die Kapitalstruktur des Konzerns zu verbessern. Derzeit hat TI Verbindlichkeiten von 31,4 Mrd. Euro; TIM ist dagegen schuldenfrei, was von Analysten auch wegen einer zu hohen Steuerquote als ineffizient angesehen wird. Im Falle einer Fusion hätte TI zudem einen direkten Zugriff auf den Cash-Flow von TIM, der 2004 voraussichtlich 3,2 Mrd. Euro betragen wird. Derzeit partizipiert TI lediglich in Form der anteiligen Dividenden an der Ertragskraft der Tochter. Zudem argumentieren Analysten, dass Synergien zwischen Festnetz und Mobilfunk gehoben werden könnten.

Den Informationen zufolge plant die TI, den TIM-Minderheitsaktionären jeweils zur Hälfte eigene Aktien und Bargeld anzubieten. Hierdurch würde die Verschuldung des Konzerns auf etwa 40 Mrd. Euro steigen, wobei sich das Verhältnis zwischen freiem Mittelzufluss und Verbindlichkeiten nicht verschlechtern würde. Außerdem würde der Anteil der Finanzholding Olimpia, die derzeit TI mit 17 Prozent des Kapitals kontrolliert, auf rund zehn Prozent verwässert. Um diese Quote danach wieder aufzustocken, sei bei der hoch verschuldeten Olimpia (3,2 Mrd. Euro) eine Kapitalerhöhung von zwei bis drei Mrd. Euro in Arbeit, heißt es.

Olimpia wird mehrheitlich vom Mischkonzern Pirelli kontrolliert, dessen Chef Marco Tronchetti Provera gleichzeitig Präsident der TI ist. Weitere Anteilseigener sind die Familie Benetton, der Financier Emilio Gnutti sowie die zwei Mailänder Banken Intesa und Unicredito. Um sich entsprechend der eigenen Quote von 50,4 Prozent an der bevorstehenden Kapitalerhöhung von Olimpia zu beteiligen, hat Pirelli jüngst seine Kabelsparte zum Verkauf gestellt. Sie steuert die Hälfte zum Konzernumsatzes bei und ist führend auf dem Weltmarkt. Von der Veräußerung der Kabel erwarten Analysten einen Erlös von 1,2 bis 1,5 Mrd. Euro. Das entspricht in etwa dem Geld, das Tronchetti für Olimpia braucht.

Im Umfeld der Benettons verlautet, dass man die benötigten 300 Mill. Euro problemlos aufbringen könnte. Die Schulden der Familienholding Edizione von 650 Mill. Euro standen Ende 2003 einem Wert der Beteiligungen von gut drei Mrd. Euro gegenüber. Benetton müsste also anders als Pirelli keine Teile des Kerngeschäftes verkaufen, um die Kapitalspritze für Olimpia zu finanzieren. Zuletzt war ventiliert worden, zu diesem Zwecke sei seitens Edizione Holding der Verkauf des Raststättenbetreibers Autogrill geplant.

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